Warum Deutschlands Norden Bayerns so viel mehr ist als „nur“ schön
Von Dirk van Elk, Bamberger Echo
Überblick: Die Region im Schnellcheck
Genussregion, Textilzentrum, Kunst- und Kulturstandort, Natur- und Landschaftsparadies, Breiten- und Profisport-Hochburg, Automobil- und Maschinenbau – Oberfranken vereint auf knapp 7.000 Quadratkilometern und mit rund 1,1 Millionen Einwohnern eine Dichte und Vielfalt, die in Deutschland selten ist. Dazu kommt ein hervorragendes Preis-Leistungs- – oder besser: Preis-Wert-Verhältnis.
Wirtschaft: Mittelstand mit Weltformat
Dichte an Industrie und Hidden Champions
Oberfranken zählt zu den industriestärksten Regionen Europas. Rund 600 Hidden Champions – überwiegend klassischer Mittelstand – prägen die Wirtschaftsstruktur. Viele Schwerpunktbranchen haben hier leistungsfähige Zentren.
Branchenkompass Oberfranken
- Textil: Das Textilzentrum Deutschlands liegt in der Region Hof/Kulmbach/Bayreuth.
- Keramik: Der Landkreis Wunsiedel gilt als Zentrum für Haushalts-, Hotel- und technische Keramik.
- Möbel: Die Polstermöbelindustrie ist stark in der Region Coburg/Lichtenfels verankert.
- Glas: Ein Weltmarktführer für Glasflakons stammt aus dem Landkreis Kronach – edle Parfümfläschchen „made in Oberfranken“.
Herzstück Automobil
Die Automobilzulieferindustrie ist Oberfrankens Leitsektor: Von Zündkerzen und Motorteilen bis Stoßstangen, Stanzteilen, Fensterhebern und Scheibenwischern – Bauteile aus Oberfranken stecken in Fahrzeugen weltweit. Untrennbar verbunden: Maschinenbau und Kunststoffindustrie. Rund jeder vierte Arbeitsplatz im Regierungsbezirk hängt direkt oder indirekt am Auto – relevant für Bayern, Deutschland und Europa.
Infrastruktur: Kurze Wege, schnelle Netze
Von Bamberg aus sind Kassel, Dresden, München, Stuttgart oder Frankfurt in zwei bis drei Stunden erreichbar. Dazu kommen:
- ICE-Anbindung in alle Himmelsrichtungen
- Tägliche Container-Direktzüge zu Seehäfen
- Main-Donau-Kanal als Wasserstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer
- Kurzer Weg zum Flughafen Nürnberg (zwar außerhalb Oberfrankens, aber verkehrlich ein Plus)
Außenhandel & Arbeitsplätze
Rund 50 % der Industrieumsätze im IHK-Bezirk Bayreuth stammen aus dem Export. Die Arbeitsplatzdichte liegt über bayerischem und bundesweitem Durchschnitt – Beispiel: Coburg zählt 815 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte je 1.000 Einwohner (18–64 Jahre); München kommt auf 626.
Bildung: Vier Hochschulen – kurzer Weg zur Karriere
Vier Hochschulen auf engem Raum sind ein Standortvorteil. Die Ausbildung hat hohen Stellenwert: Regelmäßig stellen Absolventinnen und Absolventen aus über 200 IHK-Berufen landesweite Bestleistungen.
Herausforderung Fachkräfte: Unternehmen bauen duale Studiengänge und Hochschulkooperationen aus, um junge Köpfe in der Region zu halten.
Genussregion: Wo Bierkultur Heimat ist
Weltrekord Brauereidichte
Über 200 meist familiengeführte Brauereien brauen nahezu 1.000 Biervarianten – gelebtes Handwerk seit Jahrhunderten.
„Auf den Keller“ – Genuss unter alten Bäumen
Bier wurde traditionell in kühlen Felsenkellern (ca. 8 °C) gelagert. Direkt darüber entstanden Schankstellen mit Sitzplätzen – bis heute geht man in Oberfranken „auf den Keller“.
Neben der Brotzeit gibt’s heute regionale Küche: Schnitzel, hausgemachter Kartoffelsalat, Schäuferla, Ziebeleskäs, Karpfen, Forellen, Presssack und mehr.
Süßkirschen, Streuobst & 300 Brennereien
Das europaweit größte zusammenhängende Süßkirschen-Anbaugebiet, zahllose Streuobstwiesen und rund 300 Schnapsbrennereien stehen für außergewöhnliche Vielfalt an Likören, Bränden und Obstwässern.
Landschaft & Städte: Naturwunder und Welterbe
Natur in Bestform
95 Naturschutzgebiete und 70 Landschaftsschutzgebiete prägen das Bild: Wälder, freigelegte Kalksteinfelsen, Burgen und Schlösser, Höhlen und Bäche. Ein Highlight: das Felsenlabyrinth Wunsiedel samt Naturbühne.
Coburg & Bamberg – zwei Aushängeschilder
- Coburg: Mächtige Veste (Anfänge 13. Jh.), lebendige Altstadt, starker Wirtschaftsstandort mit Brose und HUK-Coburg.
- Bamberg: Die größte unversehrt erhaltene Altstadt Deutschlands, seit 1993 UNESCO-Welterbe. Kirchenvielfalt, Kaiserdom, Altenburg – und 11 Brauereien. Mit Weyermann sitzt hier der weltweite Spezialmalz-Marktführer.
Mehr sehenswerte Orte
Bayreuth (Eremitage), Forchheim (Kaiserpfalz), Gößweinstein (Wallfahrtsbasilika), Hof (Biedermeierfassaden), Kronach (Festung Rosenberg), Kulmbach (Plassenburg), Pottenstein (eine der ältesten Burgen der Fränkischen Schweiz), Seßlach (komplett erhaltene Stadtmauer) – dazu zahllose Fachwerkhäuser mit kunstvollen Sandstein- und Lehmbauten.
Pottenstein – Oberfranken im Miniaturformat
See zum Paddeln, die Teufelshöhle mit gewaltigen Tropfsteinen, Camping Bärenschlucht, Räuchereien, Wander-Schluchten, steile Hänge und Wacholderheiden – Vielfalt auf kleinstem Raum.
Kultur: Von Wagner bis Weltmusik
Bayreuths Festspiele
Die Richard-Wagner-Festspiele zählen zu den renommiertesten Opernfestivals der Welt – mit Wartezeiten von bis zu zehn Jahren.
Samba in Coburg & Festspiele auf der Luisenburg
Das Samba-Festival Coburg ist das größte außerhalb Brasiliens: über 100 Gruppen, mehr als 3.000 Sambistas, jährlich rund 200.000 Besucher. Die Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel ziehen pro Saison etwa 140.000 Gäste an.
Bamberg: Symphoniker, „Bamberg zaubert“ und Blues & Jazz
- Die Bamberger Symphoniker: Orchester von Weltrang.
- „Bamberg zaubert“: rund 250.000 Besucher, das größte eintrittsfreie Straßenzauber-Festival Europas.
- Sparda-Bank Blues- & Jazzfestival Bamberg: Anfang August treffen sich internationale Top-Acts; rund 150.000 Besucher – eines der größten eintrittsfreien Festivals seiner Art in Europa.
Beide Großevents organisiert das Stadtmarketing Bamberg, vielfach als eines der besten in Deutschland bezeichnet.
Sport: Breitensportparadies & Spitzenleistungen
Wandern, Klettern, Paddeln, Radfahren, Segeln, Paragliding – Oberfranken ist Outdoor-Revier. Frankenwald und Fichtelgebirge bieten im Winter Loipen und Pisten.
Im Profisport glänzen u. a. die Baskets Bamberg (mehrfacher Deutscher Meister & Pokalsieger) und der HSC 2000 Coburg (Handball 2. Liga/zeitweise 1. Liga). Ob Tanzen, Schießen, Kegeln, Leichtathletik, Eishockey, Volleyball oder Kunstrad – Spitzenleistungen kommen regelmäßig aus der Region.
Marke Oberfranken: Schluss mit der vornehmen Bescheidenheit
Trotz all dieser Stärken ist Oberfranken als Marke noch ausbaufähig. Zu oft dominiert Bescheidenheit – der Blick nach München, die Alpen, das Allgäu. Zeit, selbstbewusst aufzutreten: Wirtschaftlich, touristisch, kulturell wäre Deutschland – und Europa – ohne Oberfranken ärmer.
Persönliche Note des Autors:
Vor 35 Jahren aus dem hohen Norden zugezogen, habe ich rasch gemerkt, dass ich früher hätte kommen sollen. Zentral, liebens- und lebenswert – mit einem unschlagbaren Preis-Wert-Verhältnis.
Historische Spurensuche
Die Schönheit Oberfrankens ist uralt: Erste Siedlungsspuren reichen 70.000–100.000 Jahre zurück. Kelten und Römerfanden hier früh eine Heimat – beste Gesellschaft also für Gegenwart und Zukunft.
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