Stadt soll Gelände übernehmen
Die monatelangen Verhandlungen zur Zukunft des Bamberger Ankerzentrums stehen vor dem Abschluss: Stadt Bamberg, Staatsregierung und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) haben sich auf einen Kompromiss geeinigt. Das Ankerzentrum für Geflüchtete wird weiterbetrieben, im Gegenzug soll die Stadt Eigentümerin des bisherigen Bundesgeländes im Bamberger Osten werden. Das bestätigte Oberbürgermeister Andreas Starke in der Stadtratssitzung am 10. Dezember.
Mit dem Eigentumswechsel erhält die Stadt nach eigenen Angaben erstmals die Möglichkeit, das frühere US-Militärareal langfristig städtebaulich zu entwickeln. Für den Freistaat Bayern bedeutet der Kompromiss Planungssicherheit für den Weiterbetrieb der Einrichtung über das ursprünglich vereinbarte Ende 2025 hinaus.
„Schlüssel für einen Kompromiss“
Auslöser für die Einigung war nach Angaben Starkes ein Gespräch mit Innenminister Joachim Herrmann. Dabei habe der Minister zugesichert, dass der von der Stadt erarbeitete Weg zum Ankauf der Fläche kommunalrechtlich nicht beanstandet werde. Diese Zusage sei „der Schlüssel für einen Kompromiss“ gewesen, so Starke in der Stadtratssitzung.
Voraussetzung für den Zugriff der Stadt war, dass Bund und Freistaat auf eigene Nutzungsrechte verzichten. Die BImA hatte zuvor entschieden, dass der Bundesbedarf durch die geplante Schaffung von rund 70 Wohnungen für Bundesbedienstete gedeckt werden kann. Erst damit konnte die Stadt ihr Zugriffsrecht auf das Areal ausüben – nach Darstellung des Oberbürgermeisters eine zentrale, nicht verhandelbare Bedingung für jede Verständigung.
Das Gelände im Bamberger Osten wird seit 2015 als zentrale Erstaufnahmeeinrichtung genutzt und 2018 als sogenanntes Ankerzentrum neu organisiert. Dort sind verschiedene Behörden angesiedelt, um Asylverfahren zu bündeln und zu beschleunigen.
Investitionspaket für Bamberg-Ost
Teil der Verständigung ist ein Maßnahmenpaket für den Stadtteil Bamberg-Ost. Nach Angaben der Stadt sollen unter anderem
- eine neue Bushaltestelle im Eingangsbereich des Ankerzentrums eingerichtet,
- die sogenannte „Anker-Verstärkerlinie“ der Stadtwerke fortgeführt,
- die Sanierung des Stadionbads und des Volksparks im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten großzügig gefördert und
- ein Geh- und Radweg in der Armeestraße finanziell unterstützt werden.
Starke spricht von „entscheidenden Weichen“, die nun gestellt seien. Durch den absehbaren Eigentumswechsel und die zusätzlichen Investitionen würden dem Bamberger Osten „über Nacht langfristige Entwicklungsperspektiven“ eröffnet. Auch der Bürgerverein Bamberg-Ost habe die nun gefundene Regelung in einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister begrüßt.
Infoabend, Ältestenrat, Sondersitzung
Bevor der Kompromiss offiziell beschlossen wird, stehen noch mehrere Termine an:
- Am 18. Dezember informiert die Stadt zunächst die direkten Anwohnerinnen und Anwohner des Ankerzentrums in einer eigenen Veranstaltung.
- Ebenfalls am 18. Dezember tagt der Ältestenrat des Stadtrats, um die Sondersitzung vorzubereiten.
- Am Freitag, 19. Dezember 2025, soll der Stadtrat in öffentlicher Sondersitzung im Hegelsaal der Konzert- und Kongresshalle über die Vereinbarung beraten. Innenminister Joachim Herrmann wird dazu in Bamberg erwartet.
Die Sitzung wird nach Angaben der Stadt live im Internet übertragen; die Unterlagen sind im städtischen Sitzungskalender abrufbar. Der Kompromiss gilt als wichtiger Zwischenschritt in einem Konflikt, der Politik und Öffentlichkeit in Bamberg seit Jahren beschäftigt. Wie lange der Weiterbetrieb des Ankerzentrums genau dauern wird und wie die städtebauliche Zukunft des Geländes im Detail aussieht, wird in den kommenden Jahren zu den zentralen Themen der Stadtentwicklung gehören.
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