Widerstand gegen Streichung des Zuschusses: Fraktionsübergreifender Antrag soll Veranstaltungen retten
Bamberg erlebt in diesen Tagen eine ungewöhnliche Allianz: Nachdem einzelne Stadträte, unter anderem der SPD OB-Kandidat Niedermaier, vorgeschlagen hatten, den städtischen Zuschuss für den Stadtmarketing Bamberg e.V. zu streichen und stattdessen einen zusätzlichen „Innenstadtkümmerer“ zu finanzieren, regt sich massiver Widerstand.
Nach dem Verein selbst und den Wirtschaftsverbänden haben nun auch zahlreiche Stadträtinnen und Stadträte fraktionsübergreifend Stellung bezogen – mit einem klaren Ziel: Das erfolgreiche Stadtmarketing und seine beliebten, meist eintrittsfreien Veranstaltungen sollen dauerhaft gesichert werden.
70.000 Euro als klares Bekenntnis
In einem Haushaltsänderungsantrag zum Etat 2026 fordern die Unterzeichner, den bisherigen Zuschuss in Höhe von 70.000 Euro unverändert beizubehalten. Die Summe soll – wie in den Vorjahren – im städtischen Haushalt eingestellt werden.
Zur Gegenfinanzierung schlagen die Stadträtinnen und Stadträte vor, die Straßenbaumaßnahme in der Dr.-Robert-Pfleger-Straße zu streichen beziehungsweise zu verschieben. Zusätzlich soll die Stadtverwaltung beauftragt werden, ein Konzept zu entwickeln. Dieses Konzept soll die finanzielle und strukturelle Sicherung des Stadtmarketing-Vereins über mehrere Jahre hinweg garantieren.
Hunderttausende Gäste – und ein großer Mehrwert für die Stadt
Die Begründung des Antrags liest sich wie eine Liebeserklärung an die Bamberger Innenstadtfeste:
- „Bamberg zaubert“ lockte 2025 an einem Wochenende rund 250.000 Menschen in die Innenstadt.
- Das Sparda-Bank Blues- & Jazzfestival und „Bamberg zaubert“ zusammen ziehen Jahr für Jahr über 400.000 Gäste an.
- Niedrigschwellige Formate wie die AOK-Familientage erreichten zuletzt rund 35.000 Besucherinnen und Besucher – bei freiem Eintritt.
Diese Veranstaltungen, so die Stadträtinnen und Stadträte, seien ohne den städtischen Zuschuss schlicht nicht realisierbar. Eine Streichung der Mittel käme daher einem Aus für viele dieser Formate gleich. Dies hätte gravierende Folgen für Innenstadt, Tourismus und Stadtgesellschaft.
Mehr als Unterhaltung: Wirtschaftsfaktor und soziale Klammer
Der Antrag betont nicht nur den kulturellen Wert der Feste. Die Veranstaltungen des Stadtmarketings gelten seit Jahren als „Motor“ für Gastronomie, Hotellerie, Handel und Dienstleistung. Volle Hotels, gut besuchte Cafés und Restaurants, belebte Geschäfte – all das sorgt für zusätzliche Wertschöpfung in der Region. Am Ende bringt es auch städtische Einnahmen, etwa über die Gewerbesteuer.
Gleichzeitig stärken die kostenlosen Angebote den sozialen Zusammenhalt: Sie schaffen Begegnungsräume für alle Generationen und soziale Gruppen – ganz ohne Zugangsschranken. Oberbürgermeister Andreas Starke selbst hatte bei der Eröffnung der Familientage 2025 die „integrative Kraft kostenloser Veranstaltungen des Stadtmarketings“ hervorgehoben. Umso bemerkenswerter ist es, dass nun ausgerechnet diese Strukturen zur Disposition stehen.
Erfolgreiches Netzwerk mit Vorbildcharakter
Mit über 250 Mitgliedern ist Stadtmarketing Bamberg e.V. das größte privatwirtschaftliche Unternehmernetzwerk in der Stadt. Der Verein vernetzt Wirtschaft, Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft. Es ist ein bundesweit beachtetes Public-Private-Partnership-Modell, das mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Bayerischen Stadtmarketing-Preis.
Das Stadtmarketing baut Brücken zwischen Online- und Offline-Handel, stärkt den lokalen Einzelhandel und versteht sich als Plattform für Handel, Tourismus und Kultur. Kurz: Der Verein ist ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Innenstadt.
„Kaputtsparen“ oder Zukunft sichern?
Vor diesem Hintergrund wirkt die Debatte um die vergleichsweise geringe Summe von 70.000 Euro wie ein Prinzipienstreit an der falschen Stelle. Im Verhältnis zum gesamten Stadthaushalt handelt es sich um weniger als 0,2 Promille. Dies bei gleichzeitig enormer Hebelwirkung für Image, Lebensqualität und Wirtschaftskraft der Stadt.
Die Unterzeichner des Antrags warnen daher eindringlich davor, das Stadtmarketing „auf dem Altar tagespolitischer Sparzwänge“ zu opfern. Kritik und Weiterentwicklungsbedarf seien legitim – aber eine Neuausrichtung müsse gemeinsam und konstruktiv erfolgen. Dies sollte nicht durch den abrupten Entzug der finanziellen Grundlage geschehen.
Breite Allianz im Stadtrat
Getragen wird der Antrag von einer bunten Mischung aus Stadträtinnen und Stadträten verschiedener Fraktionen. Unterzeichnet haben unter anderem Prof. Dr. Gerhard Seitz, Anne Rudel, Dr. Christian Lange, Andreas Dechant, You Xie, Andreas Triffo, Hans-Jürgen Eichfelder, Daniela Reinfelder, Karin Einwag, Klaus Stieringer und Jürgen Weichlein.
Damit wächst der Druck auf den Stadtrat, in den anstehenden Haushaltsberatungen ein deutliches Signal zu setzen: für eine lebendige Innenstadt, für starke Netzwerke zwischen Stadt und Wirtschaft. Auch für Veranstaltungen, die Bamberg weit über die Region hinaus strahlen lassen.
Wie die Entscheidung am Ende ausfällt, wird weit mehr sein als eine Zahl im Haushalt. Es ist ein Test dafür, welchen Stellenwert Politik, Verwaltung und Stadtrat einem der wichtigsten Aushängeschilder der Weltkulturerbestadt beimessen. Zudem ist es eine Frage, ob Bamberg bereit ist, die Erfolgsgeschichte seines Stadtmarketings fortzuschreiben.
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