Bamberg, 16. November 2025 – In Bamberg formiert sich das bürgerliche Lager neu: Die Wählergruppe Bambergs unabhängige Bürger (BuB) hat die bekannte Aktivistin für den Erhalt des Hauptmoorwaldes und frühere Listenführerin der GRÜNEN Karin Einwag einstimmig zur Spitzenkandidatin für die Stadtratswahl 2026 gekürt – und signalisiert zugleich, keinen eigenen OB-Kandidaten aufzustellen. Stattdessen will die BuB den Schulterschluss mit der CSU und ihrer designierten Oberbürgermeister-Kandidatin Melanie Huml suchen. Gespräche mit CSU, Huml und dem Bamberger Bürger-Block (BBB) stehen an. Ziel: ein gemeinsamer Fahrplan für einen Politikwechsel im Rathaus.
Spitzenpersonal mit Signalwirkung
Die Personalie Einwag ist in der Domstadt mehr als ein Listenplatz: 2020 führte sie noch die Grünen ins Rennen – nun steht sie an der Spitze der BuB. In der Stadtgesellschaft gilt sie als über Parteigrenzen anerkannte Lokalpolitikerin; ihr Einsatz für den Hauptsmoorwald verlieh ihr zusätzlich Profil. An ihrer Seite: Daniela Reinfelder (Platz 2), seit 2008 im Stadtrat, sowie Klaus Stieringer (Platz 3), Stadtmarketing-Geschäftsführer und AWO-Vorsitzender. Bereits heute bilden Einwag, Reinfelder und Stieringer die dreiköpfige BuB-Fraktion – ein Bündnis, das bewusst Parteiengrenzen überschreitet.
„Unser Ziel ist ein abgestimmtes Vorgehen aller bürgerlichen Kräfte für Bamberg.“
— BuB-Gründerin Daniela Reinfelder
Strategie: Breites Bündnis statt Personenpartei
Die BuB inszeniert sich als überparteiliches Bündnis engagierter Bürgerinnen und Bürger – „vielfältig und weltoffen“, mit Kandidierenden aus unterschiedlichen Milieus und Berufen. Reinfelder verzichtete bewusst auf den Spitzenplatz, um den Teamgedanken zu betonen. Die politische Erzählung: „Bamberg kann mehr“ – weniger Lagerkampf, mehr Pragmatismus und unmittelbare Lösungen für Alltagsprobleme.
Der Streitfall Nummer 1: Ankerzentrum Bamberg-Ost
Kaum ein Thema polarisiert so stark wie das Ankerzentrum. Die BuB fordert dessen Schließung bis 31.12.2025 – unter Verweis auf die 2015 getroffene Verständigung zwischen Stadt und Freistaat, die eine maximal zehnjährige Nutzung vorsah. Nach BuB-Lesart sei die Zeit abgelaufen; jetzt brauche es dezentrale Unterbringung statt einer Großstruktur, um Integration zu erleichtern und die Lasten fairer zu verteilen.
Sicherheit, Familien, Vereine: Politik zum Anfassen
Im Programm setzt die BuB auf „sichtbare“ Maßnahmen:
- Mehr Sicherheit im öffentlichen Raum – zusätzliche Ordnungskräfte, bessere Beleuchtung, punktuelle Videoüberwachung an Brennpunkten.
- Familien entlasten – ein städtischer Zuschuss von 70 € pro Kind/Monat auf Kita-Gebühren.
- Vereinsleben stärken – 30 € Startzuschuss für Neuanmeldungen in Bamberger Vereinen, um Ehrenamt, Sport, Kultur und Jugendarbeit zu pushen.
Innenstadt als Gradmesser: Parken, P&R, Events
Die BuB will die Innenstadt als Begegnungs- und Einkaufsort aufladen – mit kostenfreiem Park-&-Ride, erster freier Parkstunde in Parkhäusern, „Brötchentaste“ für Kurzbesorgungen und einem günstigen Nachttarif. Flankierend sollen Innenstadt-Events – vom Straßen- bis zum Musikfestival – verlässlich finanziert bleiben. Hintergrund: In Bamberg wird seit Monaten – nach einem Antrag der SPD und der GRÜNEN – um Zuschüsse fürs Stadtmarketing und um Gratis-Kurzzeitparken gestritten; beides sieht die BuB als Wirtschaftsfaktor und Frequenzbringer.
„Wir dürfen die Innenstadt nicht kaputtsparen.“
— Klaus Stieringer, Stadtmarketing-Geschäftsführer und BuB-Kandidat
Pflege, Wohnen, Bildung: die „dicken Bretter“
Angesichts des demografischen Drucks fordert die BuB zwei zusätzliche Pflegeeinrichtungen in der Stadt sowie mehr Tagespflege-Angebote. Beim Wohnen setzt sie auf Umnutzung leerer Büroflächen, neue – maßvolle – Bauprojekte und bezahlbare Mieten. Schulen sollen „raus aus der Kreidezeit“: IT-Infrastruktur, Endgeräte, Betreuung und die Sanierung maroder Gebäude stehen oben auf der To-do-Liste.
Kultur der letzten Dinge: Bestattungswald
Als zusätzliche Option zur klassischen Friedhofsbeisetzung drängt die BuB auf einen Bestattungswald im Raum Bamberg – ein entsprechender Antrag liegt seit 2024 vor. Argument: ökologisch sinnvoll, zeitgemäß, ortsnah.
Das Kalkül hinter dem Schulterschluss
Dass die BuB keine eigene OB-Kandidatur anmeldet, ist ein klares Signal an die CSU – und an Melanie Huml, die seit Oktober offiziell als OB-Kandidatin der Christsozialen im Rennen ist. Der Effekt: Das bürgerliche Lager vermeidet Kannibalisierung, bündelt Ressourcen – und versucht, die Rathausmehrheit zu kippen. Kenner der Bamberger Lokalpolitik prognostiztieren eine Stichwahl zwischen dem bisherigen GRÜNEN Bürgermeister Jonas Glüsenkamp und der bürgerlichen CSU Kandidatin Melanie Huml. Ob das aufgeht, entscheidet sich im März 2026.
Fazit: Die BuB setzt auf Programm vor Parteibuch – mit klaren Reizthemen (Ankerzentrum, Innenstadt, Sicherheit) und einem strategischen Schulterschluss im bürgerlichen Lager. Gelingt die Koalition der Willigen, könnte Bamberg vor einem echten Kurswechsel stehen. Die Gegenprobe liefern die Wählerinnen und Wähler an der Urne.
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