BuB warnt vor „Blindflug“ mit Millionenrisiko
Stadtrat kauft Ankerzentrum – doch zu welchem Preis?
Bamberg, 1. Februar 2026. Es ist ein Geschäft, das Fragen aufwirft: Der Bamberger Stadtrat hat beschlossen, das Gelände der Anker-Einrichtung (AEO) vom Freistaat Bayern zu kaufen, um es diesem anschließend für zehn Jahre mietfrei wieder zu überlassen. Ein Knackpunkt: Der Kaufpreis ist bis heute öffentlich nicht bekannt. Jetzt warnt die Fraktion Bambergs unabhängige Bürger (BuB) vor einem „politischen Blindflug“ auf Kosten der Bürger – und fordert: Bevor am 16. Februar die Briefwahl zur Kommunalwahl beginnt, müssen die Zahlen auf den Tisch.
„Wer kauft ein Grundstück, ohne den Preis zu kennen, um es im selben Vertrag zehn Jahre mietfrei zu überlassen?“, fragt BuB-Stadtrat Klaus Stieringer provokant. „Das ist kein Management, das ist ein Blindflug, der jedem normalen Menschen die Nackenhaare aufstellt.“ Der Stadtrat hatte den Kauf gegen die Stimmen der BuB beschlossen, die nun in einem Dringlichkeitsantrag volle Transparenz fordert.
Vertrauensfrage: Warum erst nach der Wahl?
Besonders im Bamberger Osten sei die Verärgerung groß, betont die Fraktion. Viele Anwohner hätten sich auf die 2015 zugesagte Befristung des Standorts bis Ende 2025 verlassen. Statt einer Schließung sei die Nutzung nun jedoch bis 2035 festgeschrieben worden. „Wer einmal ‚unwiderruflich‘ verspricht und es dann einkassiert, verspielt Vertrauen“, sagt BuB-Fraktionschefin Daniela Reinfelder. „Wenn man jetzt auch noch den Kaufpreis bis nach der Wahl verschleppt, ist das der nächste Tiefschlag.“
Die BuB befürchtet, dass mit dem Deal ein erhebliches finanzielles Risiko für die Stadt eingegangen wird – in einer Zeit, in der Schulen, Kitas und Infrastruktur ohnehin unter finanziellen Druck stehen. „Wir reden hier nicht über Peanuts“, so Stadträtin Karin Einwag. „Die Leute haben ein feines Gespür dafür, ob Politik ehrlich ist oder ob man Dinge ‚über die Zeit‘ retten will.“
Forderung: Klartext bis zum 10. Februar
Konkret beantragt die BuB einen verbindlichen Transparenz- und Kostenbericht der Stadtspitze. Darin sollen Kaufpreis, Finanzierungsplan, Risikoaufschlüsselung und alle Folgekosten detailliert offengelegt werden. Eine öffentliche Kurzfassung soll es jedem Bürger ermöglichen, das Geschäft nachzuvollziehen. Die Fraktion fordert eine Veröffentlichung aller wesentlichen Zahlen spätestens bis zum 10. Februar – also gut eine Woche vor Beginn der Briefwahl.
„Wenn die Stadt dieses Geschäft wirklich für klug hält, dann soll sie es erklären. Mit Zahlen. Nicht mit Floskeln“, macht Einwag deutlich. BuB-Stadtrat Stieringer ergänzt: „Zwei Wochen vor Beginn der Briefwahl ist genug Zeit für Klartext. Und genau den erwarten wir.“
Die BuB bleibt zudem bei ihrer grundsätzlichen Forderung: einer schnellstmöglichen Schließung der Großunterkunft und einem sozial verträglichen, dezentralen Unterbringungskonzept für Geflüchtete. „Bamberg-Ost zahlt den Preis im Alltag. Und wenn der Kauf am Ende teurer wird als gedacht, zahlt Bamberg den Preis auch im Haushalt“, warnt Einwag. „Genau deshalb muss jetzt Transparenz her.“
Hintergrund: Die Timeline des Anker-Standorts
- 2015: Stadt und Freistaat vereinbaren eine Befristung des Betriebs bis zum 31.12.2025.
- Ende 2025: Der Stadtrat beschließt gegen BuB-Stimmen den Kauf des Geländes und die unentgeltliche Überlassung an Bayern bis 31.12.2035.
- Bis heute (Jan. 2026): Der Kaufpreis und die Belastungen für den Stadthaushalt sind nicht öffentlich.
- 16.02.2026: Start der Briefwahl zur Kommunalwahl.
- 08.03.2026: Wahltag. Die BuB warnt davor, dass wesentliche Informationen „über die Wahl gerettet“ werden könnten.
Bamberg schreibt mit – erzählen Sie uns Ihre Geschichte!
Ob Begegnung, Beobachtung oder besonderer Moment: Ihre Erlebnisse aus dem Alltag sind es, die unsere Region lebendig machen.
Schreiben Sie uns an [email protected]