Überfraktioneller Antrag von BuB, BBB, FDP, BM und Teilen der CSU im Stadtrat
Bamberg könnte bald einem seiner bekanntesten Wahlbürger eine besondere Ehre erweisen. Mehrere Stadtratsfraktionen und Stadträtinnen und Stadträte aus unterschiedlichen Parteien haben gemeinsam beantragt, dem Kinder- und Jugendbuchautor Paul Maar die Ehrenbürgerwürde der Stadt zu verleihen.
Der Antrag ist bemerkenswert, weil er bewusst über Parteigrenzen hinweg getragen wird: Die Fraktionen von BBB und BuB sowie Unterzeichnerinnen und Unterzeichner aus CSU, FDP und Bambergs Mitte ziehen hier an einem Strang. Die Botschaft dahinter ist klar: Es geht nicht um Tagespolitik, sondern um eine Persönlichkeit, die Bamberg kulturell geprägt hat.
Vom Lehrer zum Wahl-Bamberger mit Weltformat
Paul Maar, geboren am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt, fand nach Stationen als Lehrer und Kunsterzieher in Bamberg seine künstlerische Heimat. Als Autor und Illustrator hat er über Jahrzehnte ein Werk geschaffen, das weit über Kinderzimmer hinausreicht: Kinder- und Jugendbücher, Theaterstücke, Drehbücher, Illustrationen.
Sein bekanntestes Werk, die Sams-Reihe, ist für viele Familien bis heute ein Stück Kindheit. Bücher, die nicht nur vorgelesen wurden, sondern oft der Einstieg ins eigene Lesen waren.
Warum jetzt die Ehrenbürgerwürde?
Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Auszeichnung, die eine Kommune vergeben kann. Die Antragsteller verweisen dabei auf Art. 16 der Bayerischen Gemeindeordnung: Geehrt werden können Persönlichkeiten, die sich um eine Stadt „besonders verdient gemacht“ haben. Genau das sehen sie bei Paul Maar erfüllt und zwar nicht nur wegen literarischer Erfolge, sondern wegen der Wirkung seines Lebenswerks.
Ein Werk mit Strahlkraft
Maars Geschichten sind fantasievoll, sprachlich präzise und trotzdem zugänglich. Anerkennung gab es reichlich, etwa durch den Deutschen Jugendliteraturpreis und das Bundesverdienstkreuz (I. Klasse). Für die Antragsteller ist das ein Hinweis: Das ist nicht nur beliebt, das ist auch kulturell bedeutend.
Leseförderung, die funktioniert
Ein zentraler Punkt: Maars Bücher „belehren“ nicht, sie machen Lust auf Sprache. Gerade in Zeiten, in denen Aufmerksamkeit oft in alle Richtungen zerfällt, wird Leseförderung zur echten Zukunftsfrage. Die Unterzeichner argumentieren, dass Maars Werk Kindern den Zugang zu Büchern erleichtert und zwar mit Witz, Wärme und Tempo, nicht mit erhobenem Zeigefinger.
Werte, die zusammenhalten
Freundschaft, Mut, Respekt, anders sein dürfen: Das sind Themen, die sich durch viele seiner Geschichten ziehen. Die Antragsteller nennen das ausdrücklich gesellschaftlich relevant, weil solche Geschichten Kindern helfen, sich in einer komplizierten Welt zurechtzufinden.
Bamberg als kulturelle Heimat und Signal nach außen
Bamberg hat Paul Maar bereits mehrfach geehrt: 2000 mit dem E.T.A.-Hoffmann-Preis, 2018 mit dem Ehrenring der Stadt. Auch Ausstellungen städtischer Einrichtungen haben sein Schaffen sichtbar gemacht. Die Ehrenbürgerwürde wäre aus Sicht der Antragsteller der nächste logische Schritt: ein dauerhaftes Zeichen, dass Bamberg kulturelle Lebensleistungen nicht nur feiert, sondern im Stadtgedächtnis verankert.
Wer den Antrag trägt
Unterzeichnet wurde der Antrag unter anderem von:
- BBB-Fraktion: Norbert Tscherner, Hans-Jürgen Eichfelder, Andreas Triffo
- BuB-Fraktion: Daniela Reinfelder, Klaus Stieringer, Karin Einwag
- CSU: Prof. Gerhard Seitz, Dr. Christian Lange, Andreas Dechant
- FDP: Martin Pöhner
- Bambergs Mitte: Jürgen Weichlein
Ein seltenes Ehrenamt im besten Sinn
Die Ehrenbürgerwürde wird in Bamberg traditionell sparsam verliehen und genau das ist Teil des Arguments: Wenn eine Stadt diese Auszeichnung vergibt, dann für Persönlichkeiten, deren Beitrag zum Gemeinwohl breit anerkannt ist. Paul Maar, so die Antragsteller, erfülle diesen Maßstab durch ein Lebenswerk, das Generationen geprägt und Bamberg als Kulturstadt mit sichtbarer gemacht hat.
Wie es weitergeht, entscheidet der Stadtrat. Klar ist schon jetzt: Dieser Antrag ist weniger ein politisches Signal als ein kulturelles. Und vielleicht genau deshalb so stark.
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