Fränkische und belgische Brauer besiegeln neue Partnerschaft – Gemeinschaftsbier feiert Premiere in Nürnberg
Franken/Leuven. – Was bislang eher als sportlicher Vergleich unter Bierfans galt, wird jetzt zur gelebten Freundschaft: Fränkische und belgische Brauer haben eine neuartige Partnerschaft vereinbart. Wie bei einer Städtepartnerschaft wollen beide Bierregionen künftig enger zusammenarbeiten. Sie wollen Wissen austauschen und gemeinsam neue Projekte anstoßen. Sichtbares erstes Ergebnis: ein fränkisch-belgisches Gemeinschaftsbier, das beim Fränkischen Bierfest in Nürnberg angestochen werden soll – mit fränkischer Beteiligung unter anderem aus Bamberg.
Bierverbrüderung
Die Idee zu dieser „Bierverbrüderung“ stammt von Markus Raupach, Gründer der Deutschen Bierakademie, Biersommelier-Ausbilder und Ehrenritter der Belgischen Brauereien. Als Juror bei internationalen Bierwettbewerben kennt er beide Bierwelten seit Jahren. „In den Medien war immer wieder von Rivalität oder sogar gegenseitiger Verachtung zu lesen“, sagt der 51-Jährige. „Dabei sind Franken und Belgien weltweit die beiden anerkanntesten Bierregionen: Franken mit seinen Keller- und Rauchbieren, Belgien mit Kloster- und Sauerbieren. Ich wollte zeigen, dass wir gemeinsam stärker sind.“
Eine Brauerei auf nur rund 14.000 Einwohner
Tatsächlich sprechen auch die Zahlen für sich: In Franken kommt im Schnitt eine Brauerei auf nur rund 14.000 Einwohner. In Belgien sind es etwa 28.000. Beide Regionen liegen damit international an der Spitze. Die belgische Bierkultur ist seit 2016 als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO gelistet, deutsches Bier ist als Nationales Kulturerbe anerkannt. Kein Wunder also, dass Raupach bei den Ansprechpartnern in Brüssel auf offene Ohren stieß, als er die Idee einer „Bierregionenpartnerschaft“ vorstellte.
Ende November folgte nun der erste offizielle Austausch. Auf Einladung von VISITFLANDERS, der flämischen Tourismusagentur, reiste eine 13-köpfige Delegation aus Franken nach Leuven. Sie sollten vor Ort Brauereien besuchen und konkrete Projekte planen. Mit dabei waren neben Raupach Vertreter von fünf fränkischen Brauereien: die Braumanufaktur Hertl aus Schlüsselfeld, das Brauhaus am Kreuzberg aus Hallerndorf, Gampert-Bräu aus Weißenbrunn, Schlenkerla aus Bamberg sowie die Brauerei „Zum Grosch“ aus Rödental. Ergänzt wurde die Gruppe durch Forchheims Tourismuschef Nico Cieslar und die ehemalige Forchheimer Bierkönigin Melanie Streit – vernetzt über den Verein Bierland Franken.
In und um Leuven besuchte die Gruppe die Brauereien De Smederij, De Coureur, Man & Brouw und Hof ten Dormaal. Überall standen Besichtigungen, Verkostungen und ausführlicher Fachaustausch auf dem Programm. Leuven erwies sich als perfekter Gastgeber: Die Stadt gilt als wichtigste Biermetropole Belgiens. Sie ist Sitz des Weltkonzerns AB InBev und beheimatet mit der KU Leuven die älteste Universität des Landes, an der bis heute Brauwesen studiert werden kann.
Belgische Bierkultur aus nächster Nähe
Die fränkische Delegation erlebte die belgische Bierkultur aus nächster Nähe: In der Gastrobar HOP wurde ein mehrgängiges Menü mit passender Bierbegleitung serviert. An einem weiteren Abend speiste die Gruppe im historischen Stammhaus von Stella Artois – direkt unter den alten Braukesseln. Den Abschluss bildete ein gemeinsames Arbeitstreffen in der Brauerei De Coureur. Dort stellten die fränkischen Brauer ihre Betriebe und Spezialitäten vor. Darunter war auch das weltbekannte Rauchbier aus Bamberg. Und sie diskutierten mit ihren belgischen Kollegen, wie sich die neue Partnerschaft mit Leben füllen lässt.
Die Ideen sprudelten schnell: gemeinsame Rezepte, Austausch von Lehrlingen, Gegenbesuche in beiden Regionen, Kooperationen bei Bierfesten und Tourismusprojekten. Erste konkrete Vereinbarung: Ende März reisen die belgischen Brauer nach Franken. Gemeinsam mit ihren Partnern werden sie einen fränkisch-belgischen Gemeinschaftssud einbrauen. Dieser soll Anfang Juni beim Fränkischen Bierfest in Nürnberg Premiere feiern und dort gemeinsam präsentiert werden.
Was genau im Kessel landet, bleibt vorerst ein gut gehütetes Geheimnis. Klar ist nur: Es soll eine echte „Bierverbrüderung“ beider Welten werden. Denkbar ist etwa ein Zusammenspiel von Rauchbier und Klostertradition oder ein Kellerbier mit belgischer Kreativnote. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.
Für Bierfreunde in Franken und darüber hinaus ist die neue Partnerschaft ein spannendes Experiment – und wohl erst der Anfang. Von der engeren Zusammenarbeit profitieren Brauereien, Tourismus und nicht zuletzt die vielen Bierliebhaber in beiden Ländern. Aktuelle Informationen zur Kooperation und zum Gemeinschaftsbier wollen die Beteiligten über die Websites von Bierland Franken und dem Fränkischen Bierfest sowie über ihre Social-Media-Kanäle veröffentlichen.
Autor: nach Unterlagen von Bierland Franken / Bernd Sauer
Fotos: Markus Raupach
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