Wie hoch ist das Risiko, sich Hautpilz einzufangen?
“Frau Doktor, ich habe seit Tagen einen Juckreiz am Hals!” – Tom, 32, sitzt vor mir, und ich sehe sofort: rote, schuppige Ränder am Nacken. Ein klassischer Fall von Ringelflechte, einer häufigen Form von Hautpilz.
Als ich nach Sauna, Schwimmbad oder Sportstudio frage, verneint er.
“Ich war nur beim Barber Shop – Rasur, heißes Handtuch, alles Deluxe, zum kleinen Preis.”
Das war der entscheidende Hinweis. Immer öfter sehe ich solche Fälle in meiner Praxis.
Warum Barbershops ein Risiko für Hautpilz sein können
Barber Shops erleben einen Boom – perfekte Bärte, Konturenrasuren, warme Handtücher. Doch genau hier liegt ein potenzielles Problem: Pilzsporen mögen Wärme, Feuchtigkeit und keratinreiche Flächen wie Haut, Haare und Nägel.
Geräte wie Rasierer oder Bürsten kommen direkt mit der Haut in Kontakt. Werden sie nicht gründlich desinfiziert, können Pilzsporen leicht von einem Kunden zum nächsten übertragen werden.
Hautpilz im Barbershop – typische Übertragungswege:
1. direkter Hautkontakt bei Rasur und Bartpflege,
2. kontaminierte Werkzeuge – Scheren, Trimmer, Rasierer,
3. feuchte Textilien wie Handtücher oder Rasierumhänge,
4. Mikroverletzungen durch die Rasur – ideale Eintrittspforten für Spuren.
Besonders gefährdet sind Bartbereich, Hals und Nacken – genau die Stellen, an denen Barber arbeiten.
Steigende Fallzahlen: ein Trend aus der Praxis
Ich beobachte in den letzten Jahren einen klaren Anstieg von Dermatophyten (Pilzinfektionen) der Haut nach Barber-Besuchen. Typische Symptome sind:
• Juckende, gerötete, schuppige Stellen,
• ringförmige Hautveränderungen,
• Pusteln oder Entzündungen an Haarwurzeln.
Betroffen sind vor allem Männer zwischen 20 und 40 Jahren, also die klassische Barber-Shop-Zielgruppe.
Ist das Risiko wirklich höher
Ja, wenn die Hygiene nicht stimmt. Während es in Arztpraxen und Friseursalons klare Vorgaben gibt, sind Barber-Shops weniger streng reguliert. Studien zeigen, dass Pilzsporen auf Rasierköpfen und Bürsten Wochen überleben können. Die Kombination aus enger Hautarbeit und mangelnder Desinfektion kann also das Risiko deutlich erhöhen. So schützen Sie sich vor Hautpilz beim Barber
Tipps vom Hausarzt:
• Fragen Sie nach Hygiene – seriöse Barber haben nichts zu verbergen,
• Achten Sie auf Einwegklingen oder frische desinfizierte Geräte,
• misstrauen Sie feuchten Handtüchern – das ist ein Hygiene Killer,
• Frühsymptome ernst nehmen – Juckreiz oder Rötungen direkt ärztlich abklären lassen,
• eigenes Equipment mitbringen: wird immer häufiger akzeptiert.
Also: Barbershop ja, aber mit Köpfchen!
Ein Besuch beim Barber Shop ist kein automatisches Risiko, aber: Wenn Rasiergeräte, Bürsten oder Handtücher nicht richtig desinfiziert werden, kann ein stylischer Bart schnell mit einem ungewollten Souvenir ändern. Meine Botschaft an Patienten: “Ein gepflegter Bart ist schön, aber gesunde Haut ist noch schöner.”
Dr. med. Inken Seelmann ist Fachärztin für Allgemeinmedizin.
Im medicum-bamberg.de liegen ihre Schwerpunkte neben hausärztlicher Betreuung in den Bereichen Diagnostik bei Verdauungsproblemen, Haarausfall, ärztlich unterstütztem Abnehmen und Gelbfieberimpfungen.
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