Bambergs OB-Wahl 2026 im Spannungsfeld von Erfahrung und Neuanfang
Ausgangslage: Ende einer Ära und neues Kandidaten-Trio
Wird Bamberg weiterhin von einem Sozi regiert oder endet nach fast 20 Jahren die Regentschaft der SPD über das Rathaus? Eines ist sicher: Nach 20 Jahren endet in Bamberg die Ära des SPD-Oberbürgermeisters Andreas Starke. Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 steht somit ein historischer Wechsel an. Drei aussichtsreiche Bewerber kämpfen um den Chefsessel im Rathaus: Melanie Huml (CSU), Jonas Glüsenkamp (parteilos, vormals Grüne) und Sebastian Martins Niedermaier (SPD). Bemerkenswert: Weder die AfD noch die lokalen Wählergruppen BuB und BBB schicken eigene OB-Kandidaten ins Rennen, was das Feld der ernsthaften Anwärter auf dieses Trio konzentriert. Weitere Bewerber von FDP, Freien Wählern, Volt, Linken und einer Wählervereinigung treten zwar an, gelten aber als chancenarm für die Stichwahl.
Der Blick zurück auf die letzte Wahl zeigt, wie sehr sich die Vorzeichen geändert haben. 2020 konnte Amtsinhaber Starke (SPD) die Stichwahl gegen Jonas Glüsenkamp gewinnen – mit rund 59,2 % zu 40,8 % . Allerdings erzielte Glüsenkamp damals schon einen Achtungserfolg im ersten Wahlgang mit 24,6 % und zog überraschend in die Stichwahl ein . Zudem wurden bei der Stadtratswahl 2020 die Grünen (Liste „Grünes Bamberg“) stärkste Kraft vor der CSU; die SPD rutschte auf Platz 3 ab. Diese Konstellation – grüne Vize-Bürgermeister, geschwächte SPD, aber weiterhin SPD-OB – prägte die auslaufende Amtsperiode. Nun ist klar: Amtsinhaber Starke tritt nicht mehr an, die Karten werden neu gemischt. Viele Bamberger fragen sich, ob nach zwei Jahrzehnten SPD im Rathaus ein Machtwechsel bevorsteht oder ob einer der Koalitionspartner der letzten Jahre (Grüne/SPD) das Erbe antreten kann.
Die Favoritin: Melanie Huml (CSU) – Netzwerk und Erfahrung
Melanie Huml zieht als Favoritin in den Wahlkampf. Die 50-jährige Medizinerin und gebürtige Bambergerin verfügt über eine beeindruckende politische Vita: langjährige Landtagsabgeordnete, ehemalige bayerische Staatsministerin (u. a. für Gesundheit und Pflege) und stellvertretende CSU-Vorsitzende. Kaum eine Kandidatin konnte je ein derartiges Netzwerk bis München vorweisen – und genau dieses will Huml nun für Bamberg nutzen. In Interviews betont sie, dass sie ihr Wissen und ihre Verbindungen aus Jahrzehnten politischer Erfahrung in den Dienst der Heimatstadt stellen möchte. Ihre Nominierung durch die CSU Bamberg fiel entsprechend triumphal aus: Nahezu einstimmig – mit 99 % Zustimmung – wurde Huml als OB-Kandidatin gekürt. Die Botschaft: Hinter Huml steht geschlossen die sonst eher als streitbar bekannte lokale CSU, und auch aus der Staatsregierung und Parteizentrale erhält sie Rückenwind. So warben prominente CSU-Politiker bereits im Wahlkampf für sie, um das seit 2006 von der SPD gehaltene Rathaus zurückzuerobern.
Verwaltungskompetenz bringt Huml zweifellos mit, wenn auch bislang vor allem auf Landesebene. Als Staatsministerin verantwortete sie große Behördenapparate und Budgets. Die direkte Kommunalverwaltung ist für sie Neuland, doch trauen ihr viele zu, sich schnell einzuarbeiten – zumal sie Bamberg als Einheimische kennt. Huml setzt im Wahlkampf auf ein Themen-Trio, das ihre Schwerpunkte umreißt (Stichworte: Soziales, Wirtschaft, Lebensqualität – so ist aus CSU-Kreisen zu hören). Dass sie den Haushalt konsolidieren und zugleich in Zukunftsthemen investieren will, betont sie regelmäßig. Ihrer Favoritenrolle bewusst, gibt sich Huml aber betont bürgernah und ortsverbunden: Sie präsentiert sich als „Bamberger Stimme in München“, die dafür sorgen kann, dass Staatsgelder und -projekte in die Region fließen. Diese Aussicht auf kurzen Draht zur Landesregierung ist eines ihrer stärksten Argumente.
Allerdings ist Huml nicht frei von Angriffsflächen. Ein zentrales Thema im Wahlkampf ist das Ankerzentrum für Geflüchtete in Bamberg-Ost – und hier steht Huml in der Kritik. Noch 2015 wurde zwischen Stadt und Freistaat vereinbart, die Einrichtung spätestens Ende 2025 zu schließen. Tatsächlich kam es Ende 2025 zum Eklat aus Sicht vieler Bürger: Der Bamberger Stadtrat stimmte – gegen die ursprüngliche Vereinbarung mit der Stadt – für eine Verlängerung des Ankerzentrums um zehn Jahre bis Ende 2035.
Neben der SPD und den Grünen begrüßen auch große Teile der CSU Fraktion, gegen den hartnäckigen Widerstand von BuB, BBB, Linke und dem CSU Vorsitzenden Seitz diesen Kompromiss offen, nennen ihn eine realistische Lösung angesichts steigender Flüchtlingszahlen. Doch dass die Stadt und die Mehrheit des Stadtrates damit entgegen früherer Versprechen agiert, ist Wasser auf die Mühlen vieler Kritiker. Auch ist der eigentliche Kaufpreis bis jetzt unbekannt.
In der Bewertung der Kandidatin Huml wird entscheidend sein, ob die Bamberger ihr vertrauen, die Stadtinteressen auch gegen die bisherige eigene CSU-Fraktionsmehrheit zu vertreten. Ihr Ja zum Erhalt der beliebten Innenstadtveranstaltungen und zum Stadtmarketing sowie ihr deutliches Nein zu einer Zusammenarbeit mit Rot und Grün hat Huml zusätzlichen Rückenwind eingebracht.
Insgesamt jedoch geht Huml mit Vorsprung in Sachen Bekanntheit, Rückhalt und Ressourcen ins Rennen. Als Favoritin muss sie nun liefern – sie führt das Feld an, muss aber aufpassen, nicht über die anhaltenden Streitigkeiten der CSU Fraktion zu stolpern. Ihre Herausforderung lautet, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass ein Wechsel zur CSU an der Rathausspitze frischen Wind bedeutet, ohne die soziale Balance der Stadt zu gefährden.
Die Herausforderer: Jonas Glüsenkamp (Grüne/Unabhängig) und Sebastian Martins Niedermaier (SPD)
Gegen Humls Favoritenrolle stemmen sich zwei sehr unterschiedliche Herausforderer, die jedoch eines eint: Beide stehen für zwei Parteien denen der bundespolitische Gegenwind kräftig ins Gesicht bläst weshalb sie versuchen müssen, über Persönlichkeit und Inhalte zu punkten. Jonas Glüsenkamp und Sebastian Martins Niedermaier stehen vor der Aufgabe, ihre jeweiligen Lager zu mobilisieren und darüber hinaus neue Wählergruppen zu erreichen – keine leichte Mission, da beide in gewisser Weise gegen den eigenen Bedeutungsverlust ihrer früheren Parteien ankämpfen.
Jonas Glüsenkamp: Parteiloser Brückenbauer mit Verwaltungspraxis
Der 38-jährige Osnabrücker Jonas Glüsenkamp ist amtierender Zweiter Bürgermeister und Sozial- und Umweltreferent der Stadt. Er kandidiert allerdings nicht offiziell für die Grünen, mit denen er 2020 ins Rathaus einzog, sondern als Unabhängiger mit einer überparteilichen Unterstützer-Initiative. Glüsenkamp hat sich bewusst vor der Wahl von der Parteipolitik gelöst und präsentiert sich als konsensorientierter Pragmatiker. Seine Selbstbeschreibung: „überparteilich, offen und verbindend“, ein Kandidat der Beständigkeit und Erfahrung, der als „Brückenbauer“ verschiedenste Interessen ausgleichen will. Tatsächlich kann Glüsenkamp auf über fünf Jahre Verwaltungserfahrung verweisen – ein Pfund, mit dem er wuchern darf. In seiner Amtszeit als Zweiter Bürgermeister habe er viel erreicht, betont er: mehr Kitaplätze, neue Naturschutzgebiete, Ausbau von Jugend- und Stadtteilarbeit und interne Reformen in der Stadtverwaltung . Diese Bilanz soll den Bambergern zeigen, dass er bereits erfolgreich Stadtpolitik gestaltet hat und insoweit ein erfahrener Steuermann „im Maschinenraum“ des Rathauses ist.
Glüsenkamps Entscheid, ohne grünes Parteilogo anzutreten, birgt Vor- und Nachteile. Einerseits kann er so parteiübergreifende Wähler ansprechen – vom enttäuschten SPD-Anhänger bis zum bürgerlichen Wechselwähler, der einen kompetenten Verwaltungsprofi sucht. Andererseits fehlt ihm nun eine klare Parteistruktur im Rücken. Die Grünen unterstützen ihn zwar faktisch mangels Alternativkandidaten, doch die frühere grüne Basis ist nicht automatisch ein mobilisierter Wahlkampf-Apparat. Zudem war seine späte Kandidatur (lange ließ er offen, ob er antritt ) intern nicht ganz unumstritten. Glüsenkamp muss also einen Großteil des Wahlkampfs selbst schultern und auf die Zugkraft seines überparteilichen Profils setzen.
In den zentralen Themen positioniert sich Glüsenkamp aufgrund seiner bisherigen Verantwortungsbereiche deutlich: Bei Soziales und Pflege kennt er die Probleme aus erster Hand. Er hat auf den dramatischen Mangel an Pflegeplätzen in Bamberg mit einer „Altenhilfe-Offensive“ reagiert und weiß um die Sorgen der älter werdenden Bevölkerung. Familien und Kitas liegen ihm als dreifachem Vater ebenso am Herzen – mehr Betreuungsplätze hat er mitgeschaffen, doch nun gilt es, drohende Gebührenerhöhungen abzufedern. Klimaschutz und Verkehr sind für den Grünen von gestern weiterhin Profilthemen: Er steht für nachhaltige Mobilität und Stadtnatur (etwa mehr Radwege und Begrünung), muss aber auch Autofahrer und Wirtschaft mitnehmen.
Seine größte Schwäche im Wahlkampf ist ausgerechnet ein Thema, das einst seine Stärke hätte sein können: das Ankerzentrum. Noch 2024 forderte Glüsenkamp gemeinsam mit der SPD die verbindliche Schließung der Einrichtung bis Ende 2025. Doch am Ende trug auch er den Kompromiss einer zehnjährigen Verlängerung mit – als Teil der Rathauskoalition konnte er kaum anders. Diese Kehrtwende erschwert es ihm nun, sich als glaubwürdige Opposition zu Humls Linie zu präsentieren. Glüsenkamp muss erklären, warum das einst abgelehnte Ankerzentrum unter seiner Mitverantwortung weiterbetrieben wird, und wie er die Belastungen für die Stadtteile lindern will. Gelingt ihm dieser Spagat, könnte er dennoch viele städtische Wähler hinter sich bringen, zumal er 2020 schon einmal einen Großteil des progressiven Lagers einen konnte. Klar ist: Will Glüsenkamp Huml gefährden, muss er es wohl wieder in die Stichwahl schaffen – und dort deutlich mehr als die 40,8 % von 2020 mobilisieren .
Sebastian Martins Niedermaier: SPD-Gärtner mit lokalem Profil
Sebastian Martins Niedermaier (37) tritt für die SPD an und versucht, Unmögliches möglich zu machen: Nach zwei Jahrzehnten Amtsinhaber-SPD unter Starke will er die Rathausspitze für seine Partei verteidigen, obwohl die Ausgangslage denkbar schwierig ist. Niedermaier ist freilich kein Unbekannter in Bamberg. Als Stadtrat seit 2014 und stellvertretener SPD-Fraktionsvorsitzender verkörpert er Erfahrung und Verankerung in der lokalen Kommunalpolitik. Vor allem aber punktet er mit seiner Biografie: Niedermaier stammt aus einer alteingesessenen Bamberger Gärtnerfamilie in 11. Generation, führt eine kleine Bio-Gärtnerei und ist tief in der Stadtgesellschaft verwurzelt. Dieses „echte Bamberger Original“ betont er im Wahlkampf zu Recht. Vielen gilt er als bodenständig, heimatverbunden und anpackend – Eigenschaften, die im direkten Kontrast zum professionellen Politiker-Image Humls stehen. Niedermaier will den Bambergern das Gefühl geben, einer von uns kandidiert da.
Inhaltlich setzt der SPD-Mann auf einen Mix aus Tradition und Aufbruch. Sein Slogan „Bamberg bassd scho!“ (fränkisch für „Bamberg passt schon/ist okay“) signalisiert: Er will Bewährtes bewahren, aber dennoch frischen Wind hineinbringen. Sein Programm – untertitelt „Bamberg in guten Händen“ – verspricht eine sozial gerechte, wirtschaftlich starke und ökologische Stadt. Niedermaier versucht also, alle policy-Felder zu bedienen: Vom bezahlbaren Wohnen über Klimaanpassung bis zur Stärkung des Mittelstands. Dabei scheut er sich nicht, Probleme zu benennen: Die steigenden Lebenshaltungskosten, der Strukturwandel (Bosch/Brose-Stellenabbau), der Bahn-Ausbau, die Integration Geflüchteter – all das spricht er offen an. Dieser Realismus soll Vertrauen schaffen, dass er die Herausforderung annimmt, ohne sie schönzureden.
Allerdings trägt Niedermaier den Rucksack seiner Partei. Die SPD stellt zwar noch den OB, doch sie hat an Strahlkraft verloren. Viele der Niedermaier Forderungen hätte die SPD im Schulterschluss mit der bestehenden Rathausmehrheit längst umsetzen können. In der Stichwahl 2020 waren viele CSU-Wähler nur taktisch zum SPD-Amtsinhaber übergelaufen – diese fallen nun weg. Zudem hat die Starke-SPD in der Endphase Fehler gemacht, die Niedermaier teilweise persönlich mitzuverantworten hat.
Ein Beispiel ist die höchst umstrittene Streichung des Stadtmarketing-Etats: Aus Unzufriedenheit mit der parteipolitischen Neutralität des Stadtmarketing-Vereins strich auf Mitinitiative des ambitionierten SPD-Kandidaten die Rathauskoalition 2025 den städtischen Zuschuss komplett. Die SPD rechtfertigte dies mit Verstößen des langjährigen SPD-Fraktionsvorsitzenden, SPD-Wahlkampfmanagers und Stadtmarketing Geschäftsführers gegen die Neutralitätspflicht (er sitzt seit seinem Austritt aus der SPD für die BuB im Stadtrat).
Dennoch bleibt hängen, dass hier kurz vor der Wahl eines der bundesweit erfolgreichsten PPP-Projekte zur Innenstadtbelebung gekappt wurde. Kritik an solchen eher persönlich motivierten Entscheidungen – und an der allgemeinen Amtsführung (Stichwort Adressen- und Rathaus-Affäre um Bonuszahlungen) – könnte Niedermaier Stimmen kosten, obwohl er persönlich daran kaum beteiligt war. Er muss sich strategisch von der Alt-OB-SPD abgrenzen, ohne deren Leistungen komplett zu negieren.
Interessant ist, dass Niedermaier – ähnlich wie Glüsenkamp – auf sein persönliches Profil mehr als auf sein Parteilabel setzt. Sein gesamter Wahlauftritt firmiert unter „Niedermaier2026“ und „Team Niedermaier“, während das SPD-Logo in den Hintergrund tritt. Auf seiner Homepage wird die Partei kaum erwähnt; stattdessen wirbt er mit seiner Vita, seinem Team und prominenten Unterstützern. Offensichtlich hofft die SPD, über Niedermaiers lokale Popularität hinaus Wähler zu erreichen, die vom bloßen Parteinamen nicht mehr zu begeistern wären. So viel Pragmatismus ist wohl nötig: Denn Niedermaier weiß, dass er nur eine Chance hat, wenn er deutlich über den harten SPD-Kern hinaus Stimmen bekommt. Dazu zählt auch, sich im Themenfeld Ankerzentrum nicht von Huml abhängen zu lassen.
Offiziell forderte auch die SPD bis zuletzt die Schließung 2025 – de facto hat aber auch ihr Kandidat dem Kompromiss zugestimmt, das Lager bis 2035 fortzuführen. Eine klare Opposition zur CSU-Flüchtlingspolitik kann also auch Niedermaier nicht bieten. Er versucht stattdessen, mit seinem sozialpolitischen Profil zu punkten: bessere Bedingungen für Pflege und Personal, mehr Entlastung für Familien (z. B. bei Kita-Gebühren), solide Stadtfinanzen ohne Leistungsabbau.
Hier kann er durchaus Erfolge der SPD-geführten Rathauspolitik anführen – etwa umfangreiche Schulsanierungen in den letzten Jahren – und zugleich versprechen, aus Fehlern gelernt zu haben. Trotzdem scheint die Bereitschaft der Zivilgesellschaft nach fast 20 Jahren SPD-OB auf eine Fortsetzung einer SPD-Regierung in Bamberg eher verhalten zu sein.
Ausblick: Entscheidungsstimmung und Erfolgschancen
Der Wahlkampf geht in die heiße Phase – und vieles deutet darauf hin, dass Melanie Huml trotz CSU interner Streitigkeiten in der Pole-Position liegt. Sie vereint das konservative Lager hinter sich und profitiert davon, dass BBB, BuB und AfD keine eigenen Kandidaten haben. Ihr breiter Zuspruch, kombiniert mit ihrem Bekanntheitsgrad, verleiht ihr die leichte Favoritenrolle.
Doch sicher gewonnen ist nichts: Bamberg tickt traditionell eher mitte-links; 2020 erhielt ein grüner Kandidat knapp 41 %. Jonas Glüsenkamp hat realistische Chancen, erneut in eine Stichwahl einzuziehen – und dort könnte die Dynamik eine andere sein. Er präsentiert sich als verlässliche Alternative zur CSU, ohne den SPD-Ballast, und könnte Wähler aus beiden Lagern ansprechen. Seine Herausforderung bleibt, genügend eigene Anhänger zu mobilisieren und gleichzeitig Enttäuschte von der SPD für sich zu gewinnen.
Der Gärtner Sebastian Martins Niedermaier wiederum steht vor der schwierigsten Aufgabe. Er muss eine müde gewordene SPD-Basis trotz stark sinkender Umfragewerte motivieren und zugleich über sie hinauswachsen. Gelingt es ihm, die Stärke der SPD-Tradition (20 Jahre SPD OB haben Bamberg geprägt) mit einem glaubwürdigen Neuanfang zu verbinden, ist auch er nicht abzuschreiben. Insbesondere ältere Stammwähler der SPD und einige, die Huml skeptisch gegenüberstehen, könnten Niedermaier in letzter Minute ihre Stimme geben. Entscheidend wird sein, ob er im Schlussspurt genügend Profil zeigen kann, um Glüsenkamp den zweiten Platz streitig zu machen.
Die kommunale Stimmungslage ist von Wechselwillen geprägt, aber auch von Unsicherheit. Viele Bamberger würdigen die Arbeit des langjährigen SPD-Oberbürgermeisters, wünschen sich aber zugleich frische Impulse. Themen wie das Ankerzentrum oder die Stadtmarketing-Entscheidung haben Vertrauen gekostet – die Bürger erwarten nun Ehrlichkeit und Führungsstärke. Hier hat Huml mit ihrem souveränen Auftreten einen Vorteil, muss aber glaubhaft machen, dass sie für Bamberg eintritt, notfalls auch gegen die Linie ihrer eigenen Partei (der Umgang mit dem Ankerzentrum wird hierfür zum Lackmustest). Glüsenkamp punktet mit seinem lokalpolitischen Wissen; ihm nehmen die Leute ab, dass er die Stadtverwaltung bereits kennt und effizient führen kann. Allerdings fragen sich manche, ob er ohne Partei im Rücken die nötige Durchsetzungskraft im Stadtrat haben wird. Niedermaier genießt Sympathie als Bamberger „Urgestein“, doch haftet ihm das Image des SPD Parteipolitikers an – kann er wirklich Veränderung repräsentieren, wo er doch langjähriger Teil der bisherigen Regierungskoalition war?
Am Ende läuft vieles auf die Frage hinaus: Kontinuität oder Wechsel? Wobei diese Kategorien verschwimmen. Eine Wahl von Melanie Huml wäre einerseits ein Wechsel (neue Person, neue Partei an der Spitze), andererseits steht sie als CSU-Politikerin auch für eine gewisse Konstanz im konservativen Lager. Ein Sieg Glüsenkamps wäre wiederum eine Zäsur – erstmals seit Jahrzehnten kein SPD/CSU-OB –, aber inhaltlich vielleicht gar nicht der große Bruch, da er die aktuelle Politik maßgeblich mitgetragen hat. Niedermaier schließlich verspricht Fortführung innerhalb der SPD-Tradition, was manchen als Widerspruch erscheint. Favoritin bleibt Huml, schon rein mathematisch aufgrund der letzten Wahlergebnisse. Doch Wahlen sind kein Rechenexempel. Die persönliche Komponente ist enorm: Sympathie, Überzeugungskraft in den Podien und nicht zuletzt Patzer der Konkurrenz können das Blatt wenden.
Eines ist sicher: Die Bamberger OB-Wahl 2026 bietet den Bürgerinnen und Bürgern eine echte Auswahl – drei profilierte Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Das Bamberger Echo als regionales Medium wird diesen Wettstreit aus Berlin kritisch begleiten. Unsere Meinung: Bamberg tut ein Aufbruch gut, braucht aber auch jemanden, der die komplexen Probleme der Stadt pragmatisch anpackt. Melanie Huml hat hierbei derzeit die Nase vorn – sie verkörpert Erfahrung und verfügt über mächtige Netzwerke. Doch sie darf das Vertrauen nicht verspielen, etwa indem sie Beschlüsse über die Köpfe der Stadt hinweg toleriert (Stichwort Ankerzentrum) . Jonas Glüsenkamp und Sebastian Niedermaier verdienen Respekt für ihren engagierten Wahlkampf jenseits starrer Parteigrenzen. Ob es ihnen gelingt, der Favoritin gefährlich zu werden, hängt davon ab, wie geschlossen ihr jeweiliges Lager am Wahltag hinter ihnen steht und ob sie Unentschlossene überzeugen können.
Am 8. März haben die Wähler das Wort. Es wird spannend zu sehen, ob Bamberg einen Wechsel an der Spitze erlebt und wem die Bamberger letztlich das Vertrauen schenken, ihre Stadt in die Zukunft zu führen. Klar ist schon jetzt: Diese Wahl entscheidet nicht nur über Personen, sondern auch über den Kurs in zentralen Fragen wie Haushaltsdisziplin, soziale Wärme und städtebauliche Entwicklung.
Eine meinungsstarke Stimme aus unserer Redaktion dazu: Bamberg braucht frischen Wind – aber auch eine sichere Hand. Welcher Kandidatin diese Mischung am überzeugendsten verkörpert, das dürfen in guter demokratischer Tradition die Bürgerinnen und Bürger nun selbst bestimmen. Wir als publizistische Beobachter sind überzeugt, dass Bamberg vor einer Richtungsentscheidung steht, und fordern alle Wahlberechtigten auf: Gehen Sie wählen – denn dieses Rennen ist offener, als es die Ausgangslage vermuten lässt. Egal ob Favoritin oder Außenseiter: Am Ende zählt die beste Idee für Bamberg. In diesem Sinne blickt die Stadt gespannt auf den Wahlsonntag.
Bamberg schreibt mit – erzählen Sie uns Ihre Geschichte!
Ob Begegnung, Beobachtung oder besonderer Moment: Ihre Erlebnisse aus dem Alltag sind es, die unsere Region lebendig machen.
Schreiben Sie uns an [email protected]