Dirk van Elk – Rating Advisor BdRA
In der Unternehmensfinanzierung spielt das Rating der Bank eine zentrale Rolle. Die Ratingnote ist für die Bank ein elementares Steuerungselement, um die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten zu berechnen. Es ist somit die Basis für die Kreditinstitute, daraus die Vertrauenswürdigkeit zu bewerten sowie die Kreditlinien und /oder Zinssätze festzulegen.
Viele Mittelständler tappen im Dunkeln
Seit Jahren weisen Wirtschaftsstudien darauf hin, dass rund die Hälfte aller kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ihre Ratingbeurteilung nicht kennt. In manchen Erhebungen sprechen Experten sogar davon, dass zwei Drittel der Unternehmer im Unklaren darüber sind, wie ihre Hausbank sie tatsächlich einschätzt. Noch gravierender als die Unkenntnis über die Ratingnote ist aber die Intransparenz der Banken gegenüber den Kreditnehmern, wenn es um die Bewertungskriterien zur Ermittlung der Ratingnoten geht. Ja, es gibt Banken, die ihren Kunden beratend zur Seite stehen. Es sollte aber immer der Hintergedanke mitschwingen, dass die Banken an den Kunden verdienen wollen, so wie sie als Unternehmer an ihren Kunden.
Wie Banken das Risiko eines Unternehmens bewerten
Der Ratingprozess folgt einem standardisierten Schema, welches zunächst zwischen quantitativen und qualitativen Ratings unterscheidet.
Beim quantitativen Rating
sammelt und bewertet die Bank die Hard Facts, welche sich aus den Bilanzen der letzten 3 Jahre ergeben. Weist ein Unternehmen in einem Pandemiejahr negative Betriebsergebnisse aus, ist das Rating gleich deutlich schlechter als im Vorjahr. Da wie beschrieben beim Rating die letzten 3 Jahre herangezogen werden, können somit auch die ersten Jahre nach der Pandemie keine optimalen Ratingnoten ermittelt werden, sie werden womöglich mehrere Jahre mit einer geringeren Kreditlinie oder einem höheren Zinssatz bestraft.
Natürlich ergeben sich aus den Bilanzen auch Werte zur finanziellen Leistungsfähigkeit. Dazu zählen Fakten wie die Eigenkapitalquote, Liquidität, Cashflow, Kapitaldienst oder Sicherheiten. Kurz: Wie robust ist das Unternehmen gegenüber Schwankungen, kann es den Kapitaldienst leisten?
Und natürlich fließen auch die Sicherheiten ins Rating ein. Die Vermögenswerte wie Immobilien, Maschinen, Wertpapiere oder Forderungen werden nach ihrer Stabilität und Verwertbarkeit bewertet.
Beim qualitativen Rating
kommen die Soft Facts zum Tragen. Wie stabil ist die Branche? Wie gut ist das Unternehmen am Markt positioniert? Passen die Produkte noch zum Portfolio des Unternehmens und werden sie noch am Markt nachgefragt?
Haben die Kundenstrukturen oder die Produktkonzentrationen Auswirkungen auf das Risiko? Zum Management und zur Organisation wird geprüft, wie alt die Geschäftsführer sind, ist eventuell schon die Nachfolge geregelt, gibt es Vertretungsregeln beim Ausfall von Schlüsselpositionen, wie ist es um die Erfahrung der Geschäftsleitung bestellt, und wie sieht es mit der Qualität der schriftlich festgelegten strategischen Planung, der Prozesse und des Risikomanagements aus? Sehr wichtig ist zudem, wie rechtzeitig Risiken oder Krisen erkannt werden können, und wie darauf reagiert wird.
Ein häufig unterschätzter Faktor ist die Informationsqualität. Unternehmen, die ihre Bank strukturiert, vollständig und regelmäßig mit Daten versorgen, schneiden im Rating oft besser ab. Frühzeitige und valide Kommunikation wird von Banken positiv bewertet – insbesondere in schwierigen Phasen. Wie gut und wie schnell liefert das Unternehmen seine Unterlagen? Stimmen Forecasts, Businessplan und Jahresabschluss überein? Kommuniziert das Unternehmen offen über seine Herausforderungen?
Können die Unternehmer in die Offensive gehen
und ihre Ratingeinstufung optimieren? Ganz sicher! Viele dieser Kriterien, gerade die der Soft Facts, lassen sich mit teilweise sehr geringem Aufwand beeinflussen – und zwar deutlich stärker als die meisten Unternehmer glauben. Als Grundsatz sollte man sich auch merken, dass die Soft Facts von heute die Hard Facts von morgen sind.
Betriebe mit stabiler Eigenkapitalbasis gelten als weniger risikoreich. Möglichkeiten der Optimierung reichen von einer Gewinnthesaurierung über Rangrücktrittsvereinbarungen, eventueller Auflösung sogenannter stiller Reserven bis hin zu Beteiligungskapital.
DAS WICHTIGSTE: Fordern sie ihre Ratingnote und die Bewertung der einzelnen Parameter aktiv von der Bank ein, und sprechen sie hierüber unbedingt einmal mit ihrem Steuerberater.
Fazit:
Nur wer seine Ratingnote und deren Treiber kennt, kann gezielt handeln, stabilisiert damit sein Unternehmen und den Standort. Wer sie nicht kennt, verschenkt Chancen. Und mit viel Glück haben sie eine Bank als Partner, die genau darauf gewartet hat und ihnen gerne hilft.
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