Erfolgsmodell unter Druck
Verein bringt Millionenumsätze und hunderttausende Gäste – jetzt droht der Zuschuss zu fallen
Bamberg – Kaum ein anderer Verein prägt das Bild der Bamberger Innenstadt so stark wie das Stadtmarketing Bamberg e. V. Seit 1997 arbeitet der Verein als öffentlich-private Partnerschaft (PPP) eng mit der Stadt zusammen, bündelt die Interessen von Handel, Gastronomie, Dienstleistung, Kultur und Bürgerschaft – und gilt bundesweit als Vorbild.
Doch dieses Erfolgsmodell steht aktuell auf dem Prüfstand: Im Entwurf des städtischen Haushalts ist der Zuschuss in Höhe von 70.000 Euro nicht mehr eingeplant. Zuvor hatten mehrere Stadträte einen Antrag gestellt, den Zuschuss an den Verein zugunsten eines Innenstadtkümmerers zu streichen. Brisant: Auch der OB Kandidat der SPD Niedermaier will dem erfolgreichen Verein die Gelder streichen. Der Vorstand des Stadtmarketings um Vorsitzenden Andreas Jakob hat sich daher mit einem offenen Brief an den Stadtrat gewandt – mit der klaren Botschaft: Wer am Stadtmarketing spart, riskiert weit mehr als ein paar Feste.
Von „Bamberg zaubert“ bis Blues- & Jazzfestival
Die Liste der Veranstaltungen, die ohne das Stadtmarketing kaum denkbar wären, ist lang:
- „AOK-Familientage“ auf der Jahnwiese – rund 25.000 Besucher
- „Bamberger Weinfest“ – rund 25.000 Besucher
- „Festa Italica“ – rund 15.000 Besucher
- „Bamberg zaubert“ – rund 250.000 Besucher
- „Blues- & Jazzfestival“ – rund 150.000 Besucher
Insgesamt zieht das Stadtmarketing nach eigenen Angaben jährlich rund 465.000 Tagesgäste zusätzlich in die Innenstadt, dazu kommen etwa 100.000 Übernachtungsgäste. Alle großen Formate sind eintrittsfrei und damit für alle Menschen zugänglich – unabhängig vom Geldbeutel.
Damit, so betont der Vorstand, stärke der Verein nicht nur das Image der Stadt, sondern auch den sozialen Zusammenhalt. Kostenfreie Veranstaltungen, bei denen Familien, Jugendliche, Senioren und Zugezogene gemeinsam feiern, wirkten wie ein „großes Freundschafts- und Familienfest“ für die ganze Stadt.
70.000 Euro Zuschuss – 33 Millionen Euro Wertschöpfung
Wie lohnend die Arbeit des Stadtmarketings für die Stadtwirtschaft ist, zeigen die Zahlen. Nach Berechnungen auf Basis von Daten des dwif geben Tagesgäste im Schnitt rund 40 Euro aus, Übernachtungsgäste etwa 150 Euro. Daraus ergibt sich für das Jahr 2024 laut Verein:
- rund 18 Millionen Euro Wertschöpfung durch Tagesgäste
- rund 15 Millionen Euro durch Übernachtungsgäste
In der Summe sind das etwa 33 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung für den Wirtschaftsraum Bamberg – ausgelöst durch Aktionen und Veranstaltungen des Stadtmarketings.
Dem gegenüber steht ein seit 25 Jahren nahezu unveränderter städtischer Zuschuss von 70.000 Euro pro Jahr. Aus einem Euro städtischer Förderung würden so rechnerisch etwa 257 Euro Wertschöpfung in der Stadt. Die vom Verein investierten Mittel von rund 1 Million Euro pro Jahr (Personal, Künstler, Technik, Sicherheit, Werbung, Reinigung, Dienstleistungen) bleiben nach Angaben des Stadtmarketings zu über 90 Prozent in der lokalen Wirtschaft.
Rückgrat für Handel, Gastronomie und Tourismus
Neben den großen Festivals organisiert das Stadtmarketing verkaufsoffene Sonntage und Bamberger Einkaufsnächte, die dem innerstädtischen Handel wichtige zusätzliche Umsätze bringen. Zwei verkaufsoffene Sonntage und acht Einkaufsnächte sind für das kommende Jahr geplant.
Ein weiterer Baustein ist der Bamberger Einkaufsgutschein „CITY SCHEXS“. Seit 2005 bindet er Kaufkraft vor Ort. Über 400 Geschäfte akzeptieren die Gutscheine – eingelöst werden können sie ausschließlich in Bamberg. Damit stützt das System nicht nur den Handel, sondern auch Arbeits- und Ausbildungsplätze im lokalen Gewerbe. Bundesweit wird das Modell als Best-Practice-Beispiel zitiert.
Netzwerk, Beratung, Weiterbildung
Das Stadtmarketing versteht sich zudem als zentrale Netzwerkplattform. In der „Business Lounge“ und anderen Formaten bringt der Verein regelmäßig Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte und Entscheider aus Stadt und Umland zusammen. Aus diesen Kontakten entstehen Kooperationen und Projekte, die für viele Betriebe gerade in unsicheren Zeiten entscheidend sein können.
Ergänzt wird dieses Angebot durch kostenlose Weiterbildungsworkshops – etwa zu Digitalisierung oder Fachkräftesicherung – sowie monatliche Sprechstunden für Gewerbetreibende und Bürger. Auch Existenzgründer und kleine Betriebe in Schwierigkeiten finden hier erste Anlaufstellen und schnelle Unterstützung.
Aktuell beschäftigt der Verein sieben hauptamtliche Mitarbeitende in Voll- und Teilzeit und arbeitet mit zahlreichen lokalen Partnern zusammen. Finanziert wird dies überwiegend durch Mitgliedsbeiträge und Sponsoring – der kommunale Zuschuss ist dabei ein kleiner, aber entscheidender Baustein im Gesamtbudget im hohen sechsstelligen Bereich.
Was passiert, wenn der Zuschuss wegfällt?
Genau dieser Baustein ist nun gefährdet. Mehrere Stadträtinnen und Stadträte haben beantragt, den Zuschuss im Zuge der Haushaltsberatungen 2025/26 zu streichen. Im aktuellen Entwurf taucht der Posten nicht mehr auf.
Aus Sicht des Vorstands wäre dies ein harter Einschnitt. Bei der letzten Jahreshauptversammlung hatte der Verein klar gemacht, dass die großen Festivals und Innenstadtaktionen ohne städtische Förderung kaum zu halten seien. Es geht aus Sicht des Stadtmarketings nicht nur um Einzelveranstaltungen, sondern um das ganze kooperative Stadtentwicklungsmodell aus Stadt, Wirtschaft und Bürgerschaft.
„Unser Stadtmarketing wirkt wie ein wirtschaftlicher Motor für Bamberg“, heißt es im offenen Brief. Ein Wegfall des Zuschusses wäre ein „fatales Signal“ – zumal Oberbürgermeister Andreas Starke die Arbeit des Vereins in den vergangenen Jahren vielfach gewürdigt und 2025 nahezu alle Veranstaltungen persönlich eröffnet oder als Schirmherr begleitet habe.
Appell an den Stadtrat
Der Vorstand bittet den Stadtrat deshalb, den Zuschuss von 70.000 Euro nicht nur für 2025, sondern auch für 2026 wieder einzuplanen. In einer Zeit, in der Innenstädte vielerorts an Attraktivität verlieren und der Einzelhandel unter Druck steht, brauche Bamberg eher mehr gemeinsame Projekte wie das Stadtmarketing, nicht weniger.
Ob der Stadtrat dieser Argumentation folgt, wird sich in den anstehenden Haushaltsberatungen zeigen. Klar ist: Die Entscheidung wird weit über die Frage hinausgehen, ob „Bamberg zaubert“, Familientage oder Blues- & Jazzfestival in ihrer bisherigen Form weiter stattfinden können. Sie ist auch ein Signal, welchen Stellenwert Politik und Verwaltung dem Zusammenspiel von Stadt, Wirtschaft und Bürgerschaft beimessen – und welche Zukunft sie der Bamberger Innenstadt geben wollen.
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