Text und Fotos Dirk van Elk
Was versteht der Stadtrat in Bamberg nicht?
Die Stadt Bamberg genießt das Privileg über den Stadtmarketing Bamberg e.V. zu verfügen, der einen Großteil der Aufgaben der Stadt zum Thema Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Mit neidischen Blicken von Kommunen aus ganz Deutschland wird konstatiert, dass hier in einer der schönsten Städte Deutschlands das vielfach mit den höchsten Preisen bedachte Stadtmarketing herausragende Erfolge verbucht. Mit einem lächerlichen Zuschuss von 70.000 € seitens der Stadt. Und den will der Stadtrat jetzt streichen, ersatzlos.
Es ist davon auszugehen, dass bei den Bestrebungen des Stadtrates personelle Befindlichkeiten den Ausschlag geben, ohne die tatsächlichen Leistungen des Stadtmarketings bewertet und die erheblichen Werbe- und Wirtschaftseffekte für die Stadt und die Region erkannt zu haben. Deshalb wurden unten nachstehend die Erkenntnisse zusammengetragen, die ich als langjähriger Angestellter des BDS Bund der Selbständigen Bayern in hunderten von Veranstaltungen mit Politik und Wirtschaft in rund 350 Ortsverbänden gesammelt habe.
Zugegeben, die Zahlen in der unten angeführten Tabelle zu den Kosten eines Stadtmarketings sind nicht validiert, sie wurden von mir bei zahlreichen Events und Gesprächen mit den verschiedensten Organisationen und Städten locker aufgenommen und zusammengetragen. Sie dürften aber sicherlich der Realität sehr nahekommen. Jetzt bin ich nur ein Rentner, der allerdings viele Jahre in der Wirtschaft mit der Politik auf allen Ebenen zusammengearbeitet hat. In 2026 werde ich eine Umfrage in bayerischen Städten mit 50 – 100.000 Einwohnern durchführen, um einmal valide Daten zum Stadtmarketing in Städten mittlerer Größe zu bekommen. Man darf jetzt schon gespannt darauf sein, wie Bamberg sich hier positioniert.
Ohne über ein dezidiertes „CHANCEN-RISIKO-MANAGEMENT“ die Potenziale beleuchtet und die finanziellen Folgen bedacht zu haben, stufe ich Entscheidungen wie die Streichung des Budgets für das Stadtmarketing als stark fahrlässig ein. Dazu kommt wahrscheinlich noch, dass kaum jemand im Stadtrat über Sachverstand bei der Beurteilung von Aufwand und Nutzen eines qualifizierten Stadtmarketings besitzen dürfte.
Worum es aber grundsätzlich beim Stadtmarketing inhaltlich und unter Berücksichtigung der Etats eigentlich geht, habe ich nachstehend einmal zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen.
Ziele des Stadtmarketings –
Gerade in Städten bis 100.000 Einwohner ist professionelles Stadtmarketing unerlässlich. Die Orte sind deutlich weniger bekannt als die Metropolen, der Wettbewerb zwischen Kommunen um
- die Erhöhung des Bekanntheitsgrades über die Landesgrenzen hinaus
- die Stabilisierung und Entwicklung der Wirtschaft und Anwerbung von Investoren
- die Akquise von Fachkräften und neuer Anwohner
- die Durchführung von Veranstaltungen und Anwerbung von Touristen
ist deutlich intensiver geworden. Gleichzeitig erwarten Bürger und Akteure aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft mehr Transparenz, Servicequalität und attraktive Lebensbedingungen. Für eine Stadt wie Bamberg mit rund 77.000 Einwohnern ist ein strategisches und gut organisiertes Stadtmarketing daher ein wesentlicher Baustein, um die lokale Identität zu stärken, die regionale Ausstrahlung zu erhöhen und die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit zu sichern.
1. Stärkung der lokalen Identität und Attraktivität
Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung eines klaren, authentischen Stadtprofils. Die Stadt soll sowohl nach innen als auch nach außen mit einer authentischen Botschaft auftreten – etwa als familienfreundlicher Wohnort, innovativer Wirtschaftsstandort oder kulturell lebendige Kommune. Dieses Profil dient als Leitbild für Kommunikation, Veranstaltungen und Kooperationen.
2. Förderung der Wirtschaft und Ansiedlung neuer Unternehmen
Mittelgroße Städte stehen im Wettbewerb um Arbeitskräfte und Unternehmen. Das Stadtmarketing unterstützt die Wirtschaftsförderung der Stadt mit zielgerichteten Kampagnen, attraktiven Standortinformationen, Veranstaltungen für die Vernetzung von Unternehmen sowie Initiativen zur Sicherung von Fachkräften. Die Präsentation der Stadt als moderner, gut vernetzter und lebenswerter Wirtschafts- und Kulturstandort ist von existenzieller Bedeutung.
3. Belebung der Innenstadt und Stärkung des lokalen Handels
Der Strukturwandel im Einzelhandel definiert die Kernaufgaben, um die Innenstädte lebendig zu halten. Das Stadtmarketing entwickelt Veranstaltungen, saisonale Aktionen, digitale Tools (z. B. City Schexs, lokale Marktplätze) und kooperative Programme wie Wirtschaftsgespräche, um Frequenz und Aufenthaltsqualität zu steigern.
4. Steigerung des Tourismus und der Freizeitwirtschaft
Jede Stadt hat Entwicklungspotenzial, selbst wenn sie keine große touristische Tradition besitzt. Durch zielgerichtete Vermarktung von Kultur, Natur, Gastronomie und Freizeitangeboten sowie durch eine professionelle Gästekommunikation können zusätzliche Besucher aus nah und fern gewonnen werden. Tourismus stärkt insbesondere auch mittels großer überregional bedeutender Events Gastronomie, Handel und Hotellerie und trägt somit zur wirtschaftlichen Dynamik bei.
5. Förderung von Bürgerbeteiligung und Identifikation
Zum Stadtmarketing gehört sowohl eine stärkere Bindung als auch Einbindung der Bürger über digitale Beteiligungsplattformen, Bürgerdialoge, Workshops oder Stadtentwicklungskampagnen. Somit sollte sich Stadtmarketing einerseits als Außenmarketing und gleichzeitig auch als Innenkommunikation verstehen. Bürger sollen sich mit ihrer Stadt identifizieren, sich in Projekte einbringen und als Botschafter wirken. Digitale Beteiligungsplattformen, Bürgerdialoge, Marken-Workshops oder Stadtentwicklungs-Kampagnen stärken diese Bindung.
Zentrale Aufgabenbereiche des Stadtmarketings –
1. Stadtmarke und Kommunikation
Die große Kernaufgabe lautet, die Entwicklung und Pflege der städtischen Marke zu forcieren. Hinter dem Schlagwort Corporate Design verbirgt sich ein einheitlicher rhetorischer und visueller Auftritt nach außen. Crossmediale Kampagnen, effiziente Pressearbeit sowie permanente Öffentlichkeits-arbeit unter Nutzung von reichweitenstarken social Media Tools dienen dabei der Kommunikation gegenüber allen definierten Zielgruppen.
2. Veranstaltungen und Stadtfeste
Ein gut aufgestelltes Stadtmarketing organisiert und koordiniert Feste, Märkte und Events von regionaler und überregionaler Bedeutung, und zieht darüber zahlreiche Besucher aus nah und fern an.
Je größer die Events, desto größer der Zustrom zahlungswilliger Gäste. Die Planung und Durchführung von verkaufsoffenen Sonntagen oder Themenwochen gehören dazu, aber auch die Kooperationen mit Vereinen, Kulturinstitutionen und Schulen.
3. Tourismusmarketing
Hierunter fallen die Erstellung von Broschüren, Stadtführungen, die Entwicklung und Pflege von Online-Tourismusportalen sowie die Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Tourismus-verbänden. Neue touristische Angebote wie Radtouren, Kunst- und Kulturwege, Erlebnistouren etc. müssen entwickelt werden. Und letztlich gehört eine enge Kommunikation mit der Hotellerie, den Gastronomen und Anbietern jeder Art von Freizeitangeboten dazu.
4. Innenstadtentwicklung und Handelsunterstützung
Dies ist eine der komplexesten Herausforderungen für das Stadtmarketing. Maßnahmen zur Belebung der Innenstadt, Kampagnen zur Kundenbindung wie den City Schexs, Aufbau und Pflege eines starken Mittelstandsnetzwerkes sowie permanenter Mittler zwischen Händlern und Stadtverwaltung fordern ein extrem gutes Gespür für einen individuellen Handlungsbedarf. Natürlich sind auch das Leerstandsmanagement oder die Unterstützung von Pop-up-Stores im Aufgabenkatalog verankert.
5. Standortmarketing und Wirtschaftskommunikation
Die Stadt sollte auf Fachmessen, über Informationsmaterialien für Investoren aller Art und für Unternehmen sowie über moderne Fachkräfte-Kampagnen nach Außen präsentiert und beworben werden. Eine enge Zusammenarbeit z.B. mit Hochschulen / Universitäten, Start-up-Netzwerken und Wirtschaftsunternehmen könnte zur Stadtentwicklung beitragen.
6. Digitales Stadtmarketing
Hierzu gehört der Aufbau und die allerdings sehr aufwändige Pflege einer modernen Webpräsenz. Social-Media-Strategien sowie digitale Serviceangebote für Bürger und Touristen müssen entwickelt und umgesetzt werden. Außerdem tragen datenbasierte Ergebnisanalysen von Besucherfrequenzen und -bewegungen zur Optimierung neuer zukünftiger Events und Kampagnen bei.
Realistisches Jahresbudget
Für Städte mit annähernd 80.000 Einwohnern ist ein nachhaltiges und gutes Stadtmarketing auch nur mit einem guten Budget zu realisieren. Die folgenden Werte dienen als Orientierungsgröße für eine mittelgroße Stadt. Die große Spanne bzw. Bandbreite hängt von der organisatorischen Struktur (Amt, GmbH, Verein), dem Eventumfang, den touristischen Potenzialen und der politischen Priorisierung ab. Manche Städte setzen zusätzlich auf Sponsoring und Fördermittel, um das Budget zu erweitern.

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