Er war jahrzehntelang katholischer Pfarrer, vielgelesener Theologe – und wurde bundesweit bekannt, als er öffentlich über Zölibat, Zweifel und seine Tochter sprach. Heute lebt Dr. Stefan Hartmann mit seiner Frau, der Bamberger Autorin Sandra Dorn, in Bamberg und arbeitet als freier Autor und Redner.
Nun legt der 1954 geborene Theologe seine große autobiographische Bilanz vor: „Mosaike eines Lebens – Autobiographisches Zeugnis eines Theologen“, erschienen im Bernardus Verlag in Aachen.
Vom 68er-Neomarxismus zum katholischen Glauben
In sieben biographischen „Mosaiken“ zeichnet Hartmann die Stationen eines ungewöhnlichen Lebenswegs nach. Vom politisierten Neomarxismus der späten 1960er-Jahre und der Faszination durch Friedrich Nietzsche führt die Spur über die Lektüre existenzphilosophischer und religiöser Autoren wie Søren Kierkegaard und Romano Guardini. Schließlich kommt es zu seiner bewussten Entscheidung für den christlichen Glauben in der katholischen Kirche.
Prägend werden für ihn dabei der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar und der polnische Papst Johannes Paul II. – beide stehen für eine intensive, intellektuell anspruchsvolle und zugleich existentiell gelebte Spiritualität.
Hartmann erzählt, wie sich seine Suche nach Wahrheit, Sinn und Freiheit langsam in eine „beheimatete“ Glaubensgestalt verwandelt. Er bewegt sich weg von theoretischen Ideologien, hin zu einem Glauben, der Denken und Leben zusammenhält.
33 Jahre Priester – und der radikale Schnitt
Mehr als drei Jahrzehnte wirkt Hartmann als katholischer Priester, zuletzt als Pfarrer im oberfränkischen Oberhaid bei Bamberg. Sein Name steht in dieser Zeit nicht nur für solide Seelsorge, Predigten und theologische Publikationen. Auch für eine besondere Nähe zu den Menschen ist er bekannt. Viele in der Region verbinden mit ihm einen zugewandten, dialogbereiten Pfarrer, der zuhört und auch heiße Eisen nicht scheut.
Die bundesweite Öffentlichkeit nimmt ihn wahr, als er in einer Fernsehtalkshow offen über seine erwachsene Tochter spricht. Damit stößt er die Zölibatsdebatte neu an. In der Folge kommt es zu Spannungen mit dem Bistum Bamberg; 2016 wird Hartmann auf eigenen Wunsch aus dem Klerikerstand entlassen.
Der konsequenteste Schritt seines Lebensweges folgt kurz darauf: Hartmann heiratet die Bamberger Autorin Sandra Dorn, der er sein „Lebensbuch“ widmet.
Die Autobiografie erzählt offen von den inneren Konflikten dieses Übergangs – ohne Abrechnung mit der Kirche, aber auch ohne Beschönigung.
Bamberg als „Wahlheimat und Glücksort“
Ein eigenes Kapitel der „Mosaike“ trägt den Titel „Bamberg als Wahlheimat und Glücksort“. Hartmann beschreibt, wie die Welterbestadt für ihn zu einem Raum der zweiten Lebenshälfte wird. Es ist ein Ort neuer Freiheit, kreativen Arbeitens und gelebter Partnerschaft.
Wer ihn in Bamberg erlebt, begegnet einem Autor, der sich – trotz persönlicher Brüche – nicht ins Private zurückzieht. Vielmehr steht er als Publizist, Trauerredner und Vortragsredner mitten in der Gesellschaft.
Freunde und Weggefährten schätzen ihn als beliebten, engagierten und humorvollen Menschen. Auch nach Konflikten mit der Institution Kirche ist er nicht verbittert, sondern dialogbereit geblieben.
Ein Buch für Glaubende, Zweifelnde – und Neugierige
„Mosaike eines Lebens“ ist weder eine Abrechnung mit der Kirche noch eine klassische Skandal-Biografie. Der Band, rund 156 Seiten stark und mit einem Ladenpreis von 15 Euro, versteht sich als Einladung an Leserinnen und Leser. Sie sollen die eigene Suche nach Wahrheit, Sinn und Glauben ernst nehmen.
Hartmann denkt ausdrücklich über den katholischen Tellerrand hinaus. Er zeigt sich offen für die Weisheit des Judentums, des Islams und asiatischer Traditionen. Er verortet sich selbst als europäischer Christ, der die klassische Trias von Wahrheit, Güte und Schönheit neu buchstabiert.
Bamberger-Echo-Leserinnen und -Leser finden in diesem Buch keine leichte Kost, aber eine präzise erzählte, persönlich gefärbte Lebensgeschichte:
- das Porträt eines Theologen,
- eines früheren Pfarrers, der mit Kirche und Zölibat ringt,
- und eines Mannes, der am Ende beides wagt – die Treue zur eigenen Gewissensentscheidung und eine neue Liebe.
Buchinfo:
Stefan Hartmann: „Mosaike eines Lebens. Autobiographisches Zeugnis eines Theologen“
Bernardus Verlag, Aachen 2025, 156 Seiten, 15,00 Euro, ISBN 978-3-8107-0403-0.
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