Warum Bamberg das Ankerzentrum kaufen will – und was das für die Stadt bedeutet
Nach den Streitigkeiten um die Zukunft des Ankerzentrums in Bamberg, hat die Stadt heute eine bemerkenswerte Initiative gestartet. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) verhandelt mit Bund und Freistaat über den Ankauf des rund 20 Hektar großen Areals des Ankerzentrums, das bis Ende 2025 eigentlich als Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete geschlossen werden sollte. Schon am 16. Juli soll der Konversionssenat eine „Zweckerklärung“ absegnen – der formale Startschuss für die Preisermittlung durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Für die Stadt ist der Deal die Eintrittskarte, um das Gelände nach dem Lagerbetrieb in ein neues, gemischtes Wohnviertel zu verwandeln.
Die Kauf-Offensive
Starke macht kein Geheimnis aus seiner Strategie: „Nur als Eigentümerin kann Bamberg die Stadtentwicklung dort selbst gestalten.“ Die Rathausspitze verhandelt deshalb parallel mit der BImA in Bonn und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) über Modalitäten und Preis. Aus Rathauskreisen heißt es, das Klima sei „konstruktiv“.
Was am 16. Juli entschieden wird
Bevor es um Millionen geht, braucht die Stadt eine Zweckerklärung. Darin wird festgelegt, dass Bamberg die Fläche kurzfristig weiter an den Freistaat verpachtet, damit dieser das Ankerzentrum befristet betreiben kann – jedoch unter exakt denselben Bedingungen wie bisher. Erst danach kann die BImA ein offizielles Wertgutachten erstellen und einen Kaufpreis nennen.
Wohnen statt Warten
Gleichzeitig will Bamberg mehrere am Rand liegende Wohnblocks sofort aus dem Lagerbetrieb herauslösen, um dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Gebäude sind bereits erschlossen und könnten ohne Störung des Camp-Alltags saniert werden. Ziel ist ein „lebendiges, sozial ausgewogenes Wohnquartier“ mit grünen Innenhöfen, Kitas und Nahversorgung.
Ein Coup mit Signalwirkung
Für Bamberg wäre der Ankauf nach Lagarde-Campus und MUNA-Gelände die dritte große Konversionsfläche binnen zehn Jahren – ein weiterer Mosaikstein im Kampf gegen knappen Wohnraum und steigende Mieten. Stadtplaner rechnen langfristig mit bis zu 1 000 neuen Wohnungen auf dem Areal.
Risiko oder Riesenchance?
Kritik kommt von Teilen der Opposition, die vor unkalkulierbaren Kosten warnen. Doch Starke hält dagegen: Der Bund biete Kommunen bei militärischen Altflächen häufig einen Verbilligungsfaktor, wenn sie für kommunale Zwecke genutzt werden. Außerdem würden Erschließungskosten durch die bereits vorhandene Infrastruktur sinken.
Hintergrund: Das Ankerzentrum
Das Bamberger Ankerzentrum entstand 2015 auf dem Gelände der früheren Warner-Barracks-Kaserne. Rund 670 Geflüchtete leben dort derzeit; ursprünglich wurde eine Schließung bis Ende 2025 vereinbart. Der Freistaat will inzwischen über einen befristeten Weiterbetrieb sprechen – Bamberg knüpft seine Zustimmung ausdrücklich an den Eigentumsübergang.
Wie es weitergeht
- 16. Juli 2025: Abstimmung der Zweckerklärung im Konversionssenat.
- Sommer 2025: BImA erstellt Wertgutachten; Kaufverhandlungen starten.
- Herbst 2025: Stadtrat fasst Kaufbeschluss, Vertrag wird unterzeichnet.
- Ab Winter 2025: Erste Wohnblöcke werden aus dem Lagerbetrieb gelöst; Sanierung kann beginnen.
Sollte alles klappen, könnten 2026 die Bagger rollen – und aus einem provisorischen Flüchtlingslager wird Schritt für Schritt ein neues Quartier für Bamberg.
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