Gründe für die Huml Niederlage
Bamberg hat eine dramatische Wahlnacht hinter sich. Am Ende eines langen Wahlabends erreichte Jonas Glüsenkamp (Grüne) 11.170 Stimmen (30,3 %), Sebastian Niedermaier (SPD) 10.703 Stimmen (29,0 %) und Melanie Huml (CSU) 10.422 Stimmen (28,2 %). Damit liegen Glüsenkamp und Niedermaier nur 1,3 Prozentpunkte auseinander – am Ende trennten sie lediglich 281 Stimmen. Keiner der Kandidaten erzielte über 50 Prozent, sodass am 22. März 2026 eine Stichwahl zwischen Glüsenkamp und Niedermaier stattfinden wird.
- Jonas Glüsenkamp (Grüne): 11.170 Stimmen, 30,3 %
- Sebastian Niedermaier (SPD): 10.703 Stimmen, 29,0 %
- Melanie Huml (CSU): 10.422 Stimmen, 28,2 %
Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 64,3 % (2020 waren es 55,6 %), was das Rennen zusätzlich spannender machte.
Historischer Vergleich
Huml erzielte zwar mit 28,2 % das beste CSU-Ergebnis bei einer Bamberger OB-Wahl seit Jahrzehnten. Am Ende reichte das aber trotzdem nicht. Zum Vergleich: 2012 kam die CSU auf 27,44 %, 2020 sogar nur 21,8 %. Damit übertrifft Humls Ergebnis erstmals wieder die Marke von 1980er Jahren. Hier die CSU-Anteile der letzten Wahlen in Bamberg:
- 2012: CSU 27,44 % (Andreas Starke siegte im ersten Wahlgang)
- 2020: CSU 21,8 % (Stichwahl zwischen SPD und Grüne)
- 2026: CSU 28,2 % (kein Einzug in die Stichwahl)
Gründe für die CSU-Niederlage
Mehrere Faktoren trugen zur Niederlage von Melanie Huml bei:
- Innere Zerwürfnisse: Huml machte die „Uneinigkeit in der CSU“ selbst als Hauptursache aus. Sie beklagte, dass ihre eigene Stadtratsfraktion faktisch einen eigenen Wahlkampf geführt habe, was viele Wähler irritiert habe. Solche internen Grabenkämpfe schwächten die kampagnenfähige Einheit der CSU deutlich.
- Ankerzentrum-Debatte: Im Vorfeld war kontrovers diskutiert worden, wie mit dem geplanten Flüchtlings-Ankerzentrum in Bamberg umgegangen wird. SPD, Grüne stimmten unmittelbar vor der Wahl mit einem Großteil der CSU Fraktion für die VErlängerung des Zentrums um 10 Jahre. Dieses Tauziehen über das Ankerzentrum beschädigte das Image der CSU in der Stadt und spielte Huml zusätzlich in die Karten ihrer Konkurrenten.
- Starke Konkurrenz: Sowohl Glüsenkamp als auch Niedermaier präsentierten sich sehr stark. Glüsenkamp steigerte sein Ergebnis gegenüber 2020 um rund 5,7 Prozentpunkte, womit er viele neue Wähler gewann. Niedermaier punktete mit seiner kommunalpolitischen Erfahrung und seiner Überparteilichkeit. Das Dreikampf-Rennen war äußerst eng: Nur 281 Stimmen trennten am Ende Platz 2 und 3, sodass jede Kleinigkeit entscheidend war.
Profile der Spitzenkandidaten
- Jonas Glüsenkamp (Grüne): 38 Jahre alt, seit 2020 zweiter Bürgermeister (Personal- und Klimareferent) von Bamberg. Er trat als überparteilicher Quereinsteiger an und erarbeitete ein eigenes Bürgerbeteiligungs-Programm. Glüsenkamp kann auf einen Amtsbonus setzen: Er bringt sechs Jahre kommunalpolitische Erfahrung mit und wurde von vielen Einwohnern als pragmatisch-moderater Grün-Politiker wahrgenommen. Er verzichtete auf prominente Unterstützung aus München und setzte stattdessen auf eine selbst organisierte „Wahlinitiative“, der sich bis zum Wahltag über 300 Bürger anschlossen.
- Sebastian Niedermaier (SPD): 37 Jahre alt, Biogärtner von Beruf und seit vielen Jahren Mitglied des Stadtrats. Er gab sich im Wahlkampf als erfahrener Bürgerpolitiker mit engem Draht zu den Leuten. Niedermaier betonte seinen überparteilichen Ansatz – er wolle alle Wähler ansprechen, nicht nur die Stammwähler seiner Partei. Dieser Anspruch zeigte sich auch symbolisch: Sein Team arbeitete eng mit zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammen. Zudem erhielt er prominente Unterstützung aus der SPD-Spitze (u. a. Lars Klingbeil, Boris Pistorius).
Ausblick auf die Stichwahl
Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte, wird am 22. März 2026 eine Stichwahl zwischen Glüsenkamp und Niedermaier erforderlich. In dieser zweiten Runde wird es entscheidend sein, wo sich die konservativen und bürgerlichen Wähler bewegen, die im ersten Wahlgang überwiegend Huml unterstützten. Die CSU-nahe Wählerschaft muss sich nun entscheiden, ob sie eher dem Grünen- oder dem SPD-Kandidaten ihre Stimme gibt. Unterm Strich hat die CSU zwar mit 28,2 % ihr bestes OB-Ergebnis seit Jahrzehnten erzielt, doch das Duell war bis zum Schluss offen und von großer Spannung geprägt. Wie sich der konservative Rückhalt verteilt, wird den Ausgang der Stichwahl bestimmen.