Bamberg vor einer Richtungsentscheidung
Wenn Bamberg am Sonntag wählt, geht es nicht nur um neue Mehrheiten im Stadtrat. Es geht auch um die große Frage: Wer übernimmt das Rathaus nach Oberbürgermeister Andreas Starke, der nicht mehr antritt? Acht Kandidatinnen und Kandidaten stehen auf dem Stimmzettel. Doch schon seit Wochen kristallisiert sich heraus, dass sich der Wahlabend vor allem an drei Namen entscheiden dürfte.
Melanie Huml geht mit dem stärksten politischen Profil ins Rennen. Die frühere Staatsministerin bringt Erfahrung aus Regierung und Partei mit. Sie setzt im Wahlkampf sichtbar auf das Versprechen, Bamberg wieder zu verbinden und handlungsfähiger zu machen. In einer Stadt, die in den vergangenen Jahren immer wieder von Konflikten, Krisen und zähen Debatten geprägt war, verfängt diese Botschaft.
Gleichzeitig liegt genau darin die Herausforderung: Ein Versprechen des „Zusammenführens“ muss nach der Wahl schnell zeigen, dass es mehr ist als ein guter Satz. Entscheidend wird sein, ob in Bamberg tatsächlich ein tragfähiges bürgerliches Arbeitsbündnis aus BBB, BuB, BM, FDP und FW zustande kommt. Dieses Bündnis müsste Entscheidungen nicht nur ankündigen, sondern auch umsetzen.
Bislang haben sich nur Bambergs unabhängige Bürger klar hinter die CSU-Kandidatin gestellt. BBB und BuB hatten sich allerdings bereits im Vorfeld darauf verständigt, keinen eigenen OB-Kandidaten aufzustellen. Sie wollten die Erfolgsaussichten der CSU-Kandidatin nicht schwächen.
Der zweite große Pol ist Jonas Glüsenkamp. Als Zweiter Bürgermeister kennt er Verwaltung, Abläufe und die Mechanik des Stadtrats aus dem Effeff. Sein Stil wird oft als ruhig, sachlich und lösungsorientiert beschrieben. Er verweist auf konkrete Ergebnisse aus seinen Zuständigkeiten, etwa in Soziales, Personal und Umwelt. Das macht ihn für viele wählbar, die Stabilität und Pragmatismus suchen. Gleichzeitig wird sein Kurs daran gemessen werden, ob er für die Stadtspitze nicht nur Verlässlichkeit, sondern auch klare Prioritäten und Tempo verkörpert. Entscheidend wird auch sein, ob es ihm gelungen ist, sich früh genug von der eigenen Partei mit ihrem als fundamental geltenden Vorsitzenden Christian Hader loszulösen.
Und dann ist da Sebastian Niedermaier (SPD). Er tritt als Nachfolgekandidat einer Partei an, die das Rathaus über fast 20 Jahre geprägt hat. Der Bio-Gärtner Niedermaier gilt als enger Vertrauter des amtierenden SPD-Oberbürgermeisters. Er setzt auf Nähe, Dialog, Tradition und einen verbindenden Ton. Ob das für den Sprung in eine mögliche Stichwahl reicht, dürfte auch davon abhängen, ob er im Endspurt ausreichend eigene Akzente setzen konnte. Diese Akzente müssten über den Bonus einer bekannten Rathausmarke hinausgehen.
Ob der junge Bamberger Gärtner in der Lage sein wird, eine Verwaltung in der Größenordnung Bambergs zu führen, blieb im Wahlkampf offen. Zudem hatte er sich für eine Streichung der Mittel für das Stadtmarketing eingesetzt. Das könnte möglicherweise auch beliebte und eintrittsfreie Familienveranstaltungen gefährden.
Viel spricht dafür, dass Bamberg am Sonntag keinen klaren Durchmarsch sieht, sondern ein enges Rennen, in dem Kleinigkeiten entscheiden: Mobilisierung, Wetter, Wahlbeteiligung, die letzten Gespräche am Gartenzaun. Sicher ist nur: Diese Wahl ist eine Weichenstellung. Für den Ton in der Stadt. Für die Zusammenarbeit im Stadtrat. Und dafür, ob Bamberg in den nächsten Jahren wieder mehr „Machen“ als „Streiten“ erlebt. Und darüber, ob die SPD auch zukünftig die Stadt Bamberg regieren darf.
Die Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl werden am Wahlabend zügig vorliegen. Bei Bedarf folgt die Stichwahl am 22. März.