Frau Einwag, Sie waren 2018 eine der treibenden Kräfte beim Bürgerentscheid Für den Hauptsmoorwald. Worum ging es damals?
Die bekannte Hauptsmoorwald-Aktivistin Karin Einwag erklärt im Interview mit dem Bamberger-Echo, warum das MUNA-Gelände kein Gewerbegebiet werden darf und welche Fehler sie in Bambergs Stadtentwicklung sieht.
Karin Einwag:
„2018 gab es einen Bebauungsplan der Stadt Bamberg, der eine 4 ha umfassende Ansiedlung der Verkehrspolizei im Hauptsmoorwald entlang der kleinen Armeestraße, deren mehrspurigen Ausbau sowie ein 46 ha großes Gewerbegebiet auf der in großen Teilen bewaldeten, ehemaligen Munitionsanstalt in Bamberg Ost vorsah. Viele Bamberger kennen den Zugang zum Hauptsmoorwald am Ende der Moosstraße und den Start des Trimm-Dich-Pfads. Diese für zahlreiche Bamberger Freizeitsportler und Spaziergänger wertvolle Fläche wäre für immer verloren gegangen.
Durch eine erfolgreiche Petition, unterschrieben von über 7 000 Menschen, haben wir den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann überzeugen können, einen alternativen Standort für die Verkehrspolizei zu finden.
Im Ringen um das Gewerbegebiet kam es dann im November 2018 zu einem Bürgerentscheid, bei dem 75 % der Wähler mit der Bürgerinitiative für den Naturerhalt votierten.“
Was hat Sie damals motiviert, sich so stark zu engagieren?
Karin Einwag:
„Wald zu roden und Flächen großräumig zu versiegeln, hat enorme Auswirkungen auf das Mikroklima vor Ort. Der Hauptsmoorwald ist die Grüne Lunge Bambergs. Dieser Wald kühlt den bevölkerungsstarken Bamberger Osten und ist eine wichtige Frischluftschneise für einen großen Teil des Stadtgebiets. Wald- und Naturerhalt ist aber natürlich auch in Hinsicht auf Gesundheitsprävention und Lebensqualität der Bevölkerung von höchster Bedeutung.
Zudem ist es mir ein großes Anliegen, dass Kinder von klein auf die Liebe zur Natur entwickeln. Dieser Wald in direkter Nähe von drei Kindergärten kann hervorragend genutzt werden zum Beobachten, Erforschen, sprich, spielerischen Lernen und außerdem zur motorischen Entwicklung. Nach dem Motto ‚Kurze Beine, kurze Wege‘, hätte eine kilometerlange Wanderung bis zum ersten Baum vielen Kindergartenkindern aus Bamberg Ost diese fantastische Entwicklungsmöglichkeit genommen.“
Wie ist der aktuelle Stand auf dem umstrittenen MUNA-Gelände?
Karin Einwag:
„Die Kaufverhandlungen der Stadt Bamberg mit der Bundesanstalt für Immobilien (BImA) sind immer noch nicht endgültig abgeschlossen. Es gibt eine Zweckerklärung der Stadt Bamberg für ein ca. 20 ha großes Gewerbegebiet.“
Welche Grundsätze sollte Bamberg Ihrer Meinung nach bei der Stadtentwicklung jetzt beachten?
Karin Einwag:
„Unsere Stadt hat eine begrenzte Fläche, mit der wir sehr achtsam umgehen müssen. Man muss sich als Stadt fragen, wieviel Wachstum erstrebenswert und überhaupt möglich ist, damit auch die notwendige Infrastruktur – z. B. Kindergärten und Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Verkehrswege – harmonisch mitwachsen kann.
Im Zeichen des Klimawandels sollte unseren Grünflächen ein ganz besonderer Schutz gelten, denn wie teuer eine nachträgliche Entsiegelung ist, konnte man zuletzt in der Siemensstraße sehen, wo die Stadtverwaltung Kosten von über 20 000 Euro für die Pflanzung eines einzelnen Baumes ermittelt hat.
Der Flächenbedarf sollte soweit wie möglich durch Überplanung bereits versiegelter Flächen realisiert werden, wie zum Beispiel dem leerstehenden ehemaligen Metalluk-Gelände, das die Stadt vor Jahren gekauft hat. Die Zerstörung großer Grünflächen ohne zeitnahen Nutzen, wie aktuell das riesige Bauloch an der Pfisterbrücke, erregt zurecht die Gemüter.
Wir sind eine tolle Stadt mit hoher Lebensqualität. Diese Lebensqualität müssen wir für die zukünftigen Generationen bewahren!“
Wir danken für das Gespräch
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