Berlin – Die Bundeswehr sieht sich mit erheblichen Kommunikationsproblemen konfrontiert: Für das schleppende Digitalfunk-Projekt wurden bereits über zwei Milliarden Euro ausgegeben, obwohl die Technik bislang nicht einsatzbereit ist. Dies geht aus einem vertraulichen Schreiben des Verteidigungsministeriums an den Bundestag hervor.
Dem Dokument zufolge belaufen sich die bisherigen Ausgaben auf etwa 1,749 Milliarden Euro. Hinzu kommen weitere 299 Millionen Euro für begleitende Maßnahmen. Diese Gesamtsumme ist bereits in das umfassende Projekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ (D-LBO) geflossen, das als eines der komplexesten Rüstungsprojekte der Bundeswehr gilt.
Ziele des Digitalfunk-Projekts
Das Hauptziel des Projekts besteht darin, Soldaten, Fahrzeuge und Gefechtsstände digital zu vernetzen, um ein modernes Gefechtsmanagement zu ermöglichen. Neben den Funkgeräten umfasst das Vorhaben auch weitere Technologien, wie eine europäische Wellenform namens „Essor“, die Anbindung an Mobilfunknetze sowie verschiedene Funksysteme für unterschiedliche Fahrzeugtypen.
Technische Mängel und Sicherheitsrisiken
Wie bereits berichtet, musste ein lange unter Verschluss gehaltener Testbericht aufzeigen, dass ein zweiter Einsatztest des Digitalfunks Ende 2025 aufgrund schwerwiegender Mängel abgebrochen wurde. Die im November getestete Version wies derart gravierende Fehler auf, dass im regulären Übungs- und Ausbildungsbetrieb mit umgerüsteten Kampfpanzern „Gefahr für Leib und Leben“ bestand.
Besonders betroffen war der einfache Sprechfunk, insbesondere zwischen Kampfpanzern, in die die neue Technik erstmals integriert wurde, wie etwa in den Leopard 2 A7V. Nach der Installation funktionierten selbst grundlegende Funksprüche nicht mehr zuverlässig, und die beteiligten Soldaten konnten nicht einmal feststellen, ob ihre Funksprüche gesendet wurden oder nicht. Ein Befehl zum sofortigen Feuerstopp, auch bekannt als „Stopfen“, konnte somit nicht verlässlich gegeben werden, was im Ernstfall lebensbedrohliche Konsequenzen für die Soldaten haben könnte.
Kritik an der Mittelverwendung
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, äußerte scharfe Kritik an der Verwendung von Mitteln und der Struktur im Verteidigungsbereich. Sie betonte, dass zwar durch das Sondervermögen erhebliche Mittel zur Verfügung stünden, jedoch die veralteten Strukturen weiterhin bestehen blieben. Dies sei besonders besorgniserregend, da offensichtlich ohne wirksame Planung und Kontrolle das Sondervermögen, für das sich die Bundesregierung auf Kosten der jüngeren Generation hoch verschuldet hat, ineffizient eingesetzt werde.