Notfallsanitäter sind oft in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt, was zu unnötigem Leid bei Patienten führt. Ein Vorfall in der Nähe von Bielefeld verdeutlicht die Herausforderungen, die im deutschen Rettungsdienst bestehen. Dörthe Freitag brach vor wenigen Wochen aufgrund starker Bauchschmerzen zusammen und konnte nicht die notwendige Hilfe erhalten.
Schmerzhafter Vorfall in Bielefeld
Die 34-jährige Dörthe Freitag erlitt heftige Bauchkrämpfe, die so stark waren, dass sie kaum noch atmen konnte. Ihr Partner alarmierte umgehend den Rettungsdienst. Doch die Notfallsanitäter waren in ihrer Fähigkeit, ihr zu helfen, stark eingeschränkt. Freitag ist allergisch gegen das Schmerzmittel, das die Sanitäter dabeihatten, was für sie lebensbedrohlich sein könnte. Ein alternatives Medikament durften die Sanitäter nicht verabreichen, ohne einen Notarzt hinzuzuziehen.
Warten auf den Notarzt
„Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich sie gefragt habe: ‚Können Sie das nicht anders regeln?‘ Die schauten sich dann so an, als wollten sie sagen: ‚Wir würden ja gerne, aber wir dürfen nicht.’“ Diese Worte von Freitag verdeutlichen die Frustration, die viele Patienten in ähnlichen Situationen empfinden. Da sie nicht auf den Notarzt warten wollte, ließ sie sich selbst ins Krankenhaus fahren, wo schließlich Gallensteine entfernt wurden, die so groß wie Golfbälle waren.
Probleme in der Notfallversorgung
Die Schwierigkeiten im deutschen Rettungsdienst sind vielfältig. Notfallsanitäter aus verschiedenen Regionen kritisieren, dass sie ohne die Zustimmung eines Notarztes kaum Medikamente verabreichen dürfen, insbesondere Schmerzmittel. Dies geschieht trotz ihrer umfassenden Ausbildung, die die Medikamentengabe umfasst. Die Regelungen variieren stark zwischen den Bundesländern, was zu einem Flickenteppich an Vorschriften führt. Ein Beispiel für die Problematik ist der Engpass bei Blutdruckmitteln, der die Situation zusätzlich verschärft.
Kritik an den Regelungen
Frank Flake, der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes Rettungsdienst, äußert sich kritisch zu den bestehenden Regelungen: „Wir haben viele Ärztliche Leiter, bei denen es einzig und allein darum geht, ihre Pfründe zu sichern. Das ist aus meiner Sicht Lobbyismus in reinster Form.“ Die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND) erklärt, dass die Vorgaben aus rechtlichen und haftungsrechtlichen Erwägungen resultieren und regional unterschiedlich sein können.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Forschungsergebnisse zeigen, dass ein Warten auf den Notarzt in vielen Fällen nicht notwendig ist. Sebastian Koch von der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena hat über 50.000 Einsatzprotokolle analysiert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass in etwa 95 Prozent der Einsätze die notwendigen medizinischen Maßnahmen von Notfallsanitätern selbstständig durchgeführt werden könnten, ohne dass ein Notarzt erforderlich wäre.
Reformen im Rettungsdienst
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat Reformen im Rettungsdienst angekündigt und einen entsprechenden Gesetzesentwurf in die Wege geleitet. Dennoch befürchtet Frank Flake, dass sich an den Kompetenzen der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst zunächst nichts ändern wird. Er fordert die Trägerkommunen auf, den Notfallsanitätern die Kompetenzen zuzusprechen, die sie nach ihrer Ausbildung haben sollten. „Wir können uns das in Zukunft schlichtweg nicht mehr leisten.“
Dieses Thema wird heute um 21:45 Uhr in einem Bericht behandelt.
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Quellen: tagesschau
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