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Steht die Rüstungsindustrie im Verdacht des Insiderhandels? Bafin prüft zahlreiche Fälle.

Die Bafin untersucht seit 2022 Dutzende Fälle von möglichem Insiderhandel in der Rüstungsindustrie. In einem besonders kritischen Fall wurde bereits Strafanzeige erstattet, während andere Ermittlungen bislang keine verbotenen Geschäfte aufdeckten.

Steht die Rüstungsindustrie im Verdacht des Insiderhandels? Bafin prüft zahlreiche Fälle.
KI-generiert

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüft Insiderhandel in der Rüstungsindustrie

29.05.2026, 14:51 Uhr

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Die als „Zeitenwende“ bezeichnete Phase hat auch die Aufmerksamkeit der deutschen Finanzmarktaufsicht auf sich gezogen. Seit dem Jahr 2022 untersucht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zahlreiche Vorgänge, die möglicherweise mit Insiderhandel in Verbindung stehen, insbesondere bei Rüstungsunternehmen. Dabei wurden offenbar Gesetzeslücken festgestellt, die die politischen Entscheidungsträger betreffen.

Seit Beginn der „Zeitenwende“ hat die Bafin insgesamt 48 spezifische Überprüfungen eingeleitet, die sich auf möglichen Insiderhandel im Zusammenhang mit Sicherheits- und Verteidigungsunternehmen beziehen. Diese Informationen stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion, die dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ vorliegt. In einem besonders auffälligen Fall hat die Bafin Strafanzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel erstattet. In den übrigen Fällen konnten jedoch keine Anhaltspunkte für verbotene Geschäfte gefunden werden.

Unklare Hintergründe bei Ermittlungen

Die Identität des Unternehmens, gegen das die Strafanzeige gerichtet ist, bleibt von der Bundesregierung ungenannt. Auf Nachfrage erklärte die Bafin, dass sie sich nicht zu einzelnen Unternehmen oder den Hintergründen ihrer Aufsichtstätigkeit äußern dürfe.

Die Rüstungsindustrie hat seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 erheblich von einem umfassenden Aufrüstungsprogramm profitiert, das ursprünglich von dem ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz initiiert wurde und nun von Friedrich Merz weitergeführt wird. Im vergangenen Jahr wurde durch die sogenannte Bereichsausnahme der Schuldenbremse der finanzielle Rahmen für Rüstungsgeschäfte erheblich erweitert. Infolgedessen fließen Rekordsummen in eine Branche, die zuvor kaum gefördert wurde. Allein die größte deutsche Rüstungsfirma, Rheinmetall, erzielte im Jahr 2025 einen Rekordumsatz und gehörte zu den besten Performern im DAX.

Wachsende Bedenken hinsichtlich der Transparenz

Der Bundestagsabgeordnete der Linken, Dietmar Bartsch, äußerte Kritik daran, dass trotz der dreistelligen Milliardenaufträge des Bundes in den letzten Jahren zu wenig über die finanziellen Strukturen der Rüstungsindustrie bekannt sei. In einem Gespräch mit „Capital“ erklärte er: „Bei den Rüstungskonzernen herrscht seit der ‚Zeitenwende‘ Goldgräberstimmung. Dass die Bafin im selben Zeitraum dutzendfach wegen des Verdachts auf Insiderhandel geprüft hat, ist kein Zufall – auch wenn Prüfungen bisher kein Fehlverhalten belegen.“

Bartsch forderte klare Regeln und maximale Transparenz, insbesondere im sensiblen Bereich der rüstungspolitischen Entscheidungen. Er betonte, dass für Bundestagsabgeordnete Transparenzregeln hinsichtlich ihrer Nebeneinkünfte gelten, während es für Regierungsmitglieder und Abgeordnete keine vergleichbaren Standards für Aktiengeschäfte gibt. Dies stelle eine gefährliche Grauzone dar, die vom Parlament überprüft werden sollte, da Wissen ein Einfallstor für Korruption sein könne.

Regulierungsdefizite im Finanzsektor

Der Wirecard-Skandal hat bereits aufgezeigt, dass es in Deutschland Lücken bei den Regelungen für Aktiengeschäfte von Vertretern aus Behörden und Parlament gibt. Es wurde bekannt, dass auch Mitarbeiter der Finanzaufsicht mit Wirecard-Aktien handelten, teilweise in großem Umfang und mit hochriskanten Derivaten.

Im Zusammenhang mit Rüstungsaktien wurde zuletzt ein Vorgang bei Rheinmetall bekannt, bei dem die Bafin nach einem auffälligen Pre-Close-Call neue Prüfungen einleitete. Dieser Call fand im kleinen Kreis mit Analysten vor der bevorstehenden Bilanzveröffentlichung statt, und kurz danach fiel der Aktienkurs um mehrere Prozent.

Aktienkäufe von Vorständen im Fokus

Rheinmetall erklärte, dass in diesem Call lediglich Schätzungen zur anstehenden Bilanz besprochen wurden und kein Insiderwissen zur Sprache kam. Kritiker sehen in Pre-Close-Calls jedoch ein potenzielles Risiko für Marktmissbrauch. Auf Anfrage von „Capital“ teilte ein Sprecher von Rheinmetall mit, dass es im Zusammenhang mit dem Pre-Close-Call kein laufendes Strafverfahren oder Bußgeldverfahren gegen das Unternehmen gebe. Die Bafin habe lediglich im Rahmen der allgemeinen Marktüberwachung auf Basis von Presseberichten ein Auskunftsersuchen zu dem Sachverhalt gestellt. Die Videokonferenz sei öffentlich angekündigt und für jedermann zugänglich gewesen und habe allen gesetzlichen Vorgaben entsprochen.

Ende Oktober 2022 verhängte die Bafin bereits eine Geldbuße gegen Rheinmetall. Der Grund für die Sanktion war ein Verstoß gegen Artikel 17 Absatz 1 Unterabsatz 1 der Marktmissbrauchsverordnung (Market Abuse Regulation – MAR), da Rheinmetall eine Insiderinformation nicht unverzüglich bekannt gemacht hatte. Die Strafe betrug 150.000 Euro.

Aktienkäufe und Kursentwicklung

Die Rüstungsindustrie gilt als einer der am schwierigsten zu regulierenden Wirtschaftssektoren. Im Hinblick auf Finanzgeschäfte fielen Top-Manager bei Rheinmetall seit 2022 immer wieder durch den Kauf eigener Aktien auf. Beispielsweise hatten CEO Papperger und Mitglieder des Aufsichtsrates im Herbst 2021 Aktien im Wert von knapp 500.000 Euro erworben, bevor der Ukrainekrieg 2022 zu einem Kurstreiber wurde. Bereits im Juni 2021 hatten Papperger und ein Vorstandskollege ebenfalls Aktien für 4,3 Millionen Euro gekauft. Solche Aktiengeschäfte von Führungskräften sind grundsätzlich zulässig, müssen jedoch gemeldet werden.

In der Zwischenzeit erreichte die Rheinmetall-Aktie einen Höchststand von knapp 2000 Euro, was im Vergleich zu 2021 eine Steigerung von über 2300 Prozent darstellt. Für alle, die diese Entwicklung frühzeitig erkannt haben, war dies ein lukratives Geschäft. Im laufenden Jahr hat Papperger bereits dreimal eigene Aktien des Unternehmens für mehr als eine Million Euro gekauft, während auch die Frau des Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Grillo zweimal Aktien erwarb. Aktuell liegt der Kurs der Rheinmetall-Aktie bei etwa 1240 Euro.


Quellen: n-tv

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