Seit dem Sommer 2023 verzeichnet Russland kontinuierlich Gebietsgewinne im Ukraine-Konflikt. In den letzten Monaten hat sich dieser Trend jedoch verlangsamt, und die ukrainischen Streitkräfte sind in der Lage, Land zurückzuerobern. Dies geschieht erstmals seit fast drei Jahren.
Im April 2026 erlitt Russland an der Front in der Ukraine Netto-Gebietsverluste. Laut einer Analyse, die auf Daten des Institute for the Study of War (ISW) basiert, verlor die russische Armee im vergangenen Monat die Kontrolle über etwa 120 Quadratkilometer ukrainisches Territorium.
Insgesamt konnte die Ukraine demnach rund 0,02 Prozent ihres Staatsgebiets zurückgewinnen. Die ukrainischen Streitkräfte schafften es, an mehreren Frontabschnitten vorzurücken. In den drei ostukrainischen Regionen Saporischschja, Charkiw und Donezk eroberten die Soldaten jeweils etwa 40 Quadratkilometer zurück.
Russische Offensive und strategische Ziele
Russland hingegen setzte seine Offensive in der Umgebung der Großstadt Kramatorsk in der Region Donezk fort. In den kommenden Wochen dürfte die Stadt Kostjantyniwka, die den südlichsten Punkt des ukrainischen Festungsgürtels im Donbass darstellt, verstärkt in den Fokus rücken.
„Die Russen wollen hinter diesen Festungsgürtel auf der Achse Slowjansk, Kramatorsk, Kostjantyniwka. Dahinter liegt das offene Land. Ein Viertel der Stadt haben die Russen bereits in Besitz genommen“,
erklärte Oberst Markus Reisner.
Verlangsamung des russischen Vormarsches
Insgesamt hält Russland laut den ISW-Daten etwas mehr als 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Dazu gehören die bereits 2014 annektierte Halbinsel Krim sowie Gebiete in den Regionen Donezk und Luhansk, die vor der Vollinvasion im Jahr 2022 von prorussischen Separatisten kontrolliert wurden. Den Großteil des restlichen Gebiets hatte Russland in den ersten Wochen nach Beginn des Krieges im Februar 2022 erobert.
Die Analyse zeigt, dass sich der Vormarsch der russischen Armee bereits in den Monaten zuvor erheblich verlangsamte: Im März eroberte Russland 23 Quadratkilometer, im Februar waren es 123 Quadratkilometer und im Januar sogar 319 Quadratkilometer.
Nach Angaben des ISW haben insbesondere ukrainische Gegenangriffe sowie Probleme der russischen Armee mit der Kommunikationstechnik die bereits bestehenden Schwierigkeiten innerhalb der russischen Streitkräfte verschärft. Im Februar 2026 hatte das US-Unternehmen SpaceX die Nutzung seiner Starlink-Satelliten durch das russische Militär eingestellt, während die russische Führung zudem die Nutzung des Online-Dienstes Telegram einschränkte. Auch der durch Tauwetter und Regen verursachte Schlamm könnte das Vorrücken der Bodeneinheiten verlangsamt haben.
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