Neue Erkenntnisse zu Sinnesveränderungen durch Abnehmspritzen
Eine wachsende Zahl von Anwendern von Abnehmspritzen berichtet über Veränderungen in ihrem Geruchs- und Geschmackssinn. Eine jüngste Studie hat diese Nebenwirkungen detailliert untersucht und liefert wichtige Erkenntnisse.
Abnehmmittel, die Wirkstoffe wie Semaglutid oder Liraglutid enthalten, haben in den letzten Jahren die Behandlung von Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit grundlegend verändert. Diese als GLP-1-Rezeptoragonisten bezeichneten Medikamente senken den Blutzuckerspiegel, verringern das Hungergefühl und unterstützen viele Patienten beim Gewichtsverlust.
Dennoch gehen diese Medikamente nicht ohne Nebenwirkungen einher. In den USA haben zahlreiche Patienten über Probleme mit ihrem Riech- und Geschmackssinn berichtet. Eine umfassende Studie hat nun diese unerwünschte Wirkung näher beleuchtet, deren Ergebnisse im Fachjournal „JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery“ veröffentlicht wurden.
Funktionsweise der GLP-1-Rezeptoragonisten
GLP-1-Rezeptoragonisten wirken, indem sie die Funktion des körpereigenen Hormons Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) nachahmen. Dieses Hormon spielt eine Schlüsselrolle bei der Insulinfreisetzung, senkt den Blutzuckerspiegel, verzögert die Magenentleerung und dämpft das Hungergefühl. Aus diesem Grund finden diese Medikamente sowohl Anwendung bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes als auch im Kampf gegen Adipositas. Zu den Wirkstoffen gehören unter anderem Semaglutid, Liraglutid, Dulaglutid und Exenatid.
Erhöhtes Risiko für Störungen der Sinne
Forscher der Hebräischen Universität in Jerusalem haben Gesundheitsdaten aus der globalen Datenbank TriNetX ausgewertet, die Informationen von nahezu 877.000 Personen mit Typ-2-Diabetes umfasst. In ihrer Analyse verglichen sie Patienten, die GLP-1-Rezeptoragonisten einnahmen, mit solchen, die andere Diabetesmedikamente verwendeten.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Patienten, die mit GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt wurden, innerhalb von zwei Jahren deutlich häufiger Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns entwickelten. Das relative Risiko war in dieser Gruppe um 48 Prozent erhöht im Vergleich zur Kontrollgruppe. Allerdings differenziert die Studie nicht, ob die Probanden lediglich eine Veränderung in ihren Sinneseindrücken erlebten oder ob diese vollständig ausblieben.
Eine getrennte Betrachtung der Sinne offenbarte noch deutlichere Unterschiede: Während das Risiko für Geruchsprobleme um 81 Prozent erhöht war, stieg das Risiko für Geschmacksstörungen um 52 Prozent.
Insgesamt geringe Anzahl der Betroffenen
Obwohl die Zahlen alarmierend wirken, bleibt die tatsächliche Anzahl der Betroffenen weiterhin relativ gering. Von mehr als 438.000 Menschen, die einen GLP-1-Rezeptoragonisten einnahmen, entwickelten 649 eine Geruchsstörung, was etwa 0,15 Prozent ausmacht. In der Vergleichsgruppe waren es 316 Patienten, was einem Anteil von 0,07 Prozent entspricht.
Geschmacksstörungen traten ebenfalls selten auf. Betroffen waren 769 Patienten (0,18 Prozent) unter GLP-1-Rezeptoragonisten und 445 Patienten (0,10 Prozent) unter anderen Diabetesmedikamenten. Die Autoren der Untersuchung betonen, dass zwar ein statistischer Zusammenhang besteht, das individuelle Risiko jedoch insgesamt als gering einzustufen ist.
Bekannte Nebenwirkungen der GLP-1-Rezeptoragonisten
Zu den häufigsten Nebenwirkungen dieser Medikamente zählen Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Blähungen und ein Völlegefühl. Auch Kopfschmerzen sowie Nervosität sind häufige Beschwerden. Seltenere, jedoch schwerwiegendere Nebenwirkungen können Gallensteine, Pankreatitis und ernsthafte allergische Reaktionen umfassen. In einigen Fällen wurden zudem akute Schädigungen des Sehnervs, chronischer Husten sowie ein erhöhtes Risiko für Sehnenrisse beobachtet.
Zusammenhang zwischen Medikation und Sinnesveränderungen
Die Forscher stellen fest, dass ihre Untersuchung keinen direkten Beweis für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung bietet. Die Analyse beruht auf Diagnosen aus elektronischen Patientenakten und nicht auf spezifischen Tests des Geruchs- oder Geschmackssinns. Daher lässt sich nicht eindeutig bestätigen, ob die Medikamente tatsächlich für die Beschwerden verantwortlich sind.
Dennoch erachten die Autoren die Ergebnisse als bedeutend. Ärzte sollten bei der Verschreibung dieser Medikamente auch mögliche Veränderungen des Geruchs- und Geschmackssinns berücksichtigen. Patienten, die während der Behandlung feststellen, dass Speisen anders schmecken oder Gerüche schlechter wahrgenommen werden, sollten dies mit ihrem Arzt besprechen.
Um zu klären, ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht und welche Mechanismen möglicherweise hinter den Veränderungen stehen, sind weitere Studien erforderlich.
Quellen: t-online, aponet