In Deutschland leiden mittlerweile etwa 1,8 Millionen Menschen an Demenz, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste Form darstellt. Diese Erkrankung kann nach ihrem Ausbruch nicht geheilt, sondern nur in ihrem Verlauf verlangsamt werden. Daher ist es entscheidend, die Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und nach Möglichkeit zu meiden.
Frühe Anzeichen einer Demenz erkennen
Es gibt eine Reihe von Symptomen, die auf eine beginnende Demenz hindeuten können. Hier sind einige der häufigsten Anzeichen:
- Vergesslichkeit bei wichtigen Verabredungen oder Terminen.
- Schwierigkeiten, komplexen Gesprächen zu folgen.
- Probleme, sich an Inhalte aus Gesprächen zu erinnern, während frühere Ereignisse noch präsent sind.
- Orientierungsprobleme in gewohnten Umgebungen, wie der eigenen Wohnung oder dem vertrauten Supermarkt.
- Vergessen, warum man sich an einem bestimmten Ort aufhält.
- Schwierigkeiten beim Zubereiten von mehrstufigen Gerichten.
- Das wiederholte Lesen von Texten, um deren Bedeutung zu verstehen, gepaart mit Konzentrationsschwierigkeiten.
- Eine allgemeine Zunahme von Unaufmerksamkeit und Schusseligkeit.
- Häufiges Fehlen der richtigen Worte in Gesprächen.
Überblick über Risikofaktoren für Demenz
Die Forschung hat zahlreiche Risikofaktoren identifiziert, die zur Entstehung von Demenz führen können. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass kein einzelner Faktor allein verantwortlich ist; vielmehr spielen viele Risikofaktoren gemeinsam eine Rolle. Anja Schneider, die Leiterin der Arbeitsgruppe für translationale Demenzforschung, hebt hervor, dass viele dieser Faktoren miteinander in Beziehung stehen.
Einige Risikofaktoren sind nicht beeinflussbar:
- Alter: Ab dem 60. Lebensjahr verdoppelt sich das Risiko für Demenz alle fünf Jahre.
- Geschlecht: Frauen sind insgesamt stärker gefährdet als Männer.
- Genetische Faktoren: Eine spezielle Variante des ApoE-Gens kann das Alzheimer-Risiko erhöhen, insbesondere bei Trägern der ApoE4-Variante, die frühzeitige Symptome aufweisen.
Veränderbare Risikofaktoren für Demenz
Rund 30 Prozent des Risikos für Alzheimer lassen sich durch sieben entscheidbare Faktoren erklären. Diese sind:
- Diabetes
- Bluthochdruck
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Rauchen
- geringe Bildung
- Depression
Anja Schneider weist darüber hinaus darauf hin, dass auch schlechtes Hören als Risikofaktor betrachtet werden kann, da es zu sozialer Isolation führt, was wiederum das Risiko für Depressionen erhöht.
Neu erkannte Risikofaktoren für Demenz
Aktuelle Studien haben zusätzliche Risikofaktoren aufgedeckt:
- Small Vessel Disease: Blutungen in kleinen Gehirngefäßen können auf ein erhöhtes Demenzrisiko hinweisen. Bluthochdruck sollte ab dem 45. Lebensjahr behandelt werden.
- Psychischer Stress in der mittleren Lebensphase: Finanzielle und berufliche Schwierigkeiten können das Demenzrisiko um etwa 25 Prozent steigern.
- Alleinleben: Einsamkeit im Alter kann das Risiko um 44 Prozent erhöhen.
- Kurzer REM-Schlaf: Verkürzte REM-Phasen können das Risiko für Alzheimer steigern.
- Übermäßig zuckerhaltige Getränke: Ein hoher Konsum kann mit einem gesteigerten Risiko für Alzheimer assoziiert werden, da er oft mit ungesunden Lebensstilen verknüpft ist.
Wann ist ein Arztbesuch notwendig?
Wenn Anzeichen von Demenz auftreten, ist es wichtig, zeitnah einen Arzt aufzusuchen. Eine frühe Diagnose kann dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern und geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Unterstützung für Betroffene und deren Angehörige
Zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz bieten zahlreiche Organisationen umfassende Unterstützung an. Dazu zählen spezielle Kurse und Schulungen, die den Umgang mit Demenz thematisieren. Für gesetzlich Versicherte sind diese Angebote in der Regel kostenfrei und können im Alltag wertvolle Hilfestellung leisten.
Die Herausforderungen, die mit der Erkrankung einhergehen, erfordern ein hohes Maß an Verständnis und Unterstützung. Durch gezielte Informationen und Maßnahmen können Betroffene sowie ihre Angehörigen besser mit der Situation umgehen und ihre Lebensqualität aufrechterhalten.
Quellen: Focus, t-online