Frauen und Männer zeigen nicht nur unterschiedliche Häufigkeiten bei Lungenerkrankungen, sondern auch die Verläufe und Therapien variieren teils erheblich. Dies erläuterte Dirk Keiner von der Zentralapotheke des St. Georg Klinikums in Eisenach im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung. Sein Schlussfolgerung: In der Lungenmedizin sollte das Geschlecht stärker in Betracht gezogen werden, da es als ein „stiller Krankheitsmodifikator“ fungiert. Dies bedeutet, dass es sich um einen unauffälligen oder oft unterschätzten Faktor handelt, der das Risiko, die Symptome und den Therapieerfolg entscheidend beeinflusst.
Unterschiedliche anatomische Gegebenheiten
Ein wesentlicher Fakt ist, dass Frauen im Durchschnitt etwa zehn Prozent kleinere Lungenvolumina aufweisen als Männer. Auch die Lumenfläche der oberen Atemwege, also der Raum in Nase und Rachen, durch den die Luft strömt, ist bei Frauen um 30 bis 50 Prozent geringer. Zudem sind die Bronchien, die verzweigten Luftkanäle in der Lunge, bei Frauen etwa 5 bis 20 Prozent kleiner.
Diese anatomischen Unterschiede führen dazu, dass chronische Lungenerkrankungen Frauen oft stärker belasten. Engere Atemwege reagieren empfindlicher auf Entzündungen oder Verengungen, was häufig zu einer stärkeren Beeinträchtigung der Lebensqualität im Vergleich zu Männern führt.
Einfluss von Hormonen und Umweltfaktoren
Neben der Anatomie spielen auch Hormone eine entscheidende Rolle für die Atemwege. Östrogene, die weiblichen Geschlechtshormone, erhöhen die Empfindlichkeit der Bronchien und steigern somit die Anfälligkeit für Asthma und Allergien. Im Gegensatz dazu hat Testosteron tendenziell eine schützende Wirkung.
Darüber hinaus reagieren Frauen empfindlicher auf Umweltbelastungen. Experimentelle Studien belegen, dass sich bei ihnen mehr Feinstaubpartikel mit einer Größe von unter 2,5 Mikrometern in den Atemwegen ablagern. Diese winzigen Partikel dringen besonders tief in die Lunge ein.
Rauchen und seine Folgen
Keiner betonte, dass Rauchen, unabhängig vom Alter, insbesondere für Frauen äußerst schädlich ist. Frauen erkranken im Durchschnitt früher an COPD, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, selbst wenn sie weniger Zigaretten konsumieren als Männer. Zudem fällt es ihnen oft schwerer, mit dem Rauchen aufzuhören.
Bildquelle: Cnordic Nordic auf Pexels
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