Einfluss des Lebens im Hochgebirge auf Diabetes-Risiko
Ein Aufenthalt in großen Höhen kann die Blutzuckerwerte von Menschen mit Diabetes verbessern. Eine aktuelle Untersuchung hat nun die Gründe dafür aufgezeigt.
Bereits zuvor war bekannt, dass Personen, die in höheren Lagen leben, seltener an Diabetes erkranken. Die genauen Ursachen waren jedoch lange Zeit unklar. Eine in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ veröffentlichte Studie hat nun ergeben, dass rote Blutkörperchen (Erythrozyten) eine entscheidende Rolle spielen. Bei Sauerstoffmangel, wie er in großen Höhen vorkommt, nehmen diese Zellen deutlich mehr Glukose aus dem Blut auf. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel, da die Blutzellen wie ein Schwamm wirken, der Zucker aufnimmt.
Mechanismen der Zuckeraufnahme durch Erythrozyten
Der Effekt, der zu einem niedrigeren Blutzuckerspiegel führt, hat zwei Hauptursachen. Zum einen produziert der Körper bei Sauerstoffmangel mehr rote Blutkörperchen, um den Sauerstofftransport zu optimieren. Zum anderen nehmen die Erythrozyten mehr Zucker auf als unter normalen Bedingungen. Dies steht in Zusammenhang mit der Thematik der Kurzsichtigkeit, da auch hier die Lichtverhältnisse eine Rolle spielen können.
Bislang wurden Erythrozyten hauptsächlich als einfache Sauerstoffträger betrachtet. Die neuen Erkenntnisse zeigen jedoch, dass sie aktiv am Stoffwechsel beteiligt sind, obwohl sie keinen Zellkern und keine Mitochondrien besitzen. Unter Bedingungen mit wenig Sauerstoff produzieren sie mehr Glukosetransporter (GLUT1), was zu einer erhöhten Zuckeraufnahme in die Zellen führt.
Vorteile der Glukoseverarbeitung in Erythrozyten
Die aufgenommene Glukose wird in den roten Blutkörperchen weiterverarbeitet. Dabei entsteht unter anderem ein Molekül namens 2,3-DPG (2,3-Bisphosphoglycerat), das in Höhenlagen von Vorteil ist. Es bindet an Hämoglobin, den Blutfarbstoff in den Erythrozyten, und erleichtert die Abgabe von Sauerstoff an das Gewebe. Der Körper verbessert somit sowohl die Sauerstoffversorgung als auch die Blutzuckerwerte.
Potenzial für neue Diabetes-Therapien
In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass dieser Mechanismus zu einer signifikanten Senkung des Blutzuckerspiegels führt. Ein experimentelles Medikament namens „HypoxyStat“ simulierte die Effekte von Sauerstoffmangel und zeigte eine bessere Wirkung als herkömmliche Diabetesmedikamente. Allerdings birgt ein künstlich herbeigeführter Sauerstoffmangel auch Risiken. Um zu klären, ob solche Ansätze auch für die Behandlung von Menschen geeignet sind, sind weitere Studien erforderlich.
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Bildquelle: ai-generated-gemini