Die Situation auf dem europäischen Kerosinmarkt wird zunehmend angespannt. Fatih Birol, der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), warnt, dass Europa möglicherweise nur noch für „vielleicht sechs Wochen“ über Flugzeugtreibstoff verfügt.
Für Reisende stellt sich daher eine entscheidende Frage: Welche Auswirkungen hat dies auf meine Flüge und die Ticketpreise?
Erste Reaktionen der Airlines
Die Fluggesellschaften haben bereits auf die kritische Lage reagiert:
- Flugpläne werden reduziert.
- Verbindungen werden zusammengelegt.
- Die Ticketpreise steigen spürbar.
Zusätzlich prüfen große Airlines intern, ob sie ihre Kapazitäten verringern sollten. Das Szenario, das sich abzeichnet, ist ein Rückgang der Flüge bei gleichzeitig hoher Nachfrage.
Preiserhöhungen bei Buchungen
Einzelbuchungen
Bei einer Einzelbuchung kommt ein Vertrag zustande, und der vereinbarte Preis ist grundsätzlich verbindlich. Eine nachträgliche Preiserhöhung ist in der Regel nicht zulässig. Es gibt jedoch Ausnahmen: „Airlines können den Preis für einen Flug nach der Buchung erhöhen, wenn sie sich dieses Recht vertraglich vorbehalten haben und solche Klauseln in den Allgemeinen Beförderungsbedingungen (ABB) der Fluggesellschaften zu finden sind“, erläutert ein Ratgeberportal. Gerichte haben jedoch in der Vergangenheit solche Klauseln häufig für ungültig erklärt, wenn sie nicht klar und transparent formuliert waren.
„Wenn die ABB keine Preisanpassungsklausel enthalten und die Fluggesellschaft den Ticketpreis ohne Zustimmung der Passagiere erhöht hat, haben diese das Recht, vom Vertrag zurückzutreten und eine Rückerstattung sowie Schadensersatz für Mehrkosten zu verlangen“, so die Experten für Flugrecht. Reisende sollten sich schriftlich an die Airline wenden und ihren Widerspruch gegen die Preiserhöhung mitteilen, um die Beförderung wie ursprünglich vereinbart durchzuführen.
Pauschalreisen
Für Reisende, die ein Gesamtpaket aus Flug und Unterkunft gebucht haben, gilt das Pauschalreiserecht. Das bedeutet, dass steigende Kosten für Kerosin, Flughafensteuern oder hohe Wechselkursänderungen zu einer nachträglichen Erhöhung des Ticketpreises führen können.
Allerdings gilt auch hier: „Veranstalter und Airlines dürfen den Preis für eine Pauschalreise oder einen Flug nach der Buchung nur erhöhen, wenn sie sich dieses Recht vertraglich vorbehalten haben“, so die Verbraucherzentrale. Die Experten weisen darauf hin, dass Preisänderungsklauseln häufig unwirksam sind. Zudem können Reisende die Zahlung verweigern, wenn die Mehrkosten zum Zeitpunkt der Buchung vorhersehbar waren.
Gründe für Preiserhöhungen
- Steuern, Abgaben und Gebühren (z. B. Flughafengebühren)
- Treibstoff- oder Energiekosten (sofern im Vertrag vorgesehen und nachvollziehbar begründet)
- Wechselkurse
Preiserhöhungen sind jedoch nur bis maximal acht Prozent und bis 20 Tage vor dem Abreisedatum zulässig. Übersteigt die Erhöhung acht Prozent, können Veranstalter den Kunden eine Frist setzen: Entweder akzeptieren sie den neuen Preis oder treten vom Vertrag zurück.
„Nach Ablauf der gesetzten Frist gilt das Angebot als angenommen. Reisende müssen daher unbedingt innerhalb der Frist kündigen, wenn sie die Preiserhöhung nicht akzeptieren möchten“, erklären die Experten der Verbraucherzentrale.
Rechte bei Preisaufschlägen
- Frist abgelaufen → Nachforderung ablehnen
- Aufpreis erzwungen → nur unter Vorbehalt zahlen
- Plus 8 Prozent oder mehr → kostenlose Stornierung möglich
Wenn die relevanten Kosten, wie beispielsweise die Kerosinpreise, sinken, haben Kunden das Recht auf eine Preissenkung.
Risiken von Flugausfällen
Wenn Airlines aufgrund der knappen Versorgung Flüge streichen oder zusammenlegen, greifen die EU-Regeln:
- Passagiere haben Anspruch auf eine Ersatzbeförderung.
- Oder auf eine vollständige Erstattung des Ticketpreises.
Ein Aufpreis für einen gleichwertigen Ersatzflug darf dabei nicht verlangt werden.
Ursachen der angespannten Lage
Ein erheblicher Teil des europäischen Kerosins wird über internationale Handelsrouten transportiert, die derzeit unter Druck stehen. Besonders kritisch ist die Situation in der Straße von Hormus, einer der bedeutendsten Energierouten weltweit.
Fällt dort ein wesentlicher Teil der Lieferungen aus, entsteht ein strukturelles Problem: Europa erhält zwar weiterhin Treibstoff, jedoch in geringeren Mengen, zu höheren Preisen und unregelmäßiger. Für Reisende bleibt somit ungewiss, ob alle Flüge wie geplant stattfinden oder ob Airlines ihr Angebot weiter reduzieren. Die Branche sieht sich mit einer Situation konfrontiert, die sie zuletzt während der Corona-Pandemie erlebt hat – jedoch mit einem anderen Auslöser. Damals fehlten die Passagiere, jetzt könnte es an Treibstoff mangeln. Heizöl: Preise fallen um bis zu 14 Euro
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