Mindestens 1.943 Menschen sind nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela ums Leben gekommen, was die ohnehin angespannte Situation im Gesundheitswesen weiter verschärft. Die Krankenhäuser stehen vor enormen Herausforderungen, da tausende Verletzte dringend medizinische Versorgung benötigen.
Überlastete Krankenhäuser in Caracas
Vor einem staatlichen Krankenhaus in Caracas warten zahlreiche Patienten auf Plastikstühlen. Eine Frau liegt mit angewinkelten Beinen auf einer Matratze, während ein Arzt im weißen Kittel Fruchtmus in Quetschbeuteln an die Wartenden verteilt. Diese Einrichtung, die für hochkomplexe chirurgische Eingriffe konzipiert ist, steht kurz vor dem Kollaps. Ein leitender Arzt, der anonym bleiben möchte, äußert sich verärgert über die katastrophalen Zustände: „Ein Krankenhaus dieser Kategorie, das eigentlich gut ausgestattet sein sollte, verfügt nicht einmal über ein einfaches Labor. Es gibt keine Röntgengeräte, keinen Computertomographen und keinen Magnetresonanztomographen.“
Fehlende medizinische Ausstattung
Der Mangel an grundlegender medizinischer Ausrüstung wird zur tödlichen Falle für die Erdbebenopfer. Eine sofortige medizinische Reaktion ist entscheidend für eine erfolgreiche Rettung. Der Arzt erklärt: „Wenn eine Person unter Trümmern begraben ist und dem Druck ausgesetzt ist – was wir als Quetschtrauma bezeichnen – werden schädliche Substanzen freigesetzt. In dem Moment, in dem man die Person befreit, glaubt man, dass alles wieder in Ordnung ist. Diese Substanzen schädigen jedoch die Nieren.“ Die Patienten kommen oft in einem sehr späten Stadium ins Krankenhaus, was die Situation zusätzlich verschärft.
Internationale Hilfsorganisationen warnen
In den letzten Tagen wurden tausende Menschen in die Gesundheitszentren und Krankenhäuser gebracht. Internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer Überlastung des bereits angeschlagenen venezolanischen Gesundheitssystems. Nach Angaben der venezolanischen Regierung wurden landesweit 38 Krankenhäuser durch die Erdbeben beschädigt, drei davon sind nicht mehr in Betrieb. Laut Christian Lindmeier, Sprecher der WHO, steht das Gesundheitssystem unter extremem Druck, bedingt durch fehlende Investitionen und die anhaltende Wirtschaftskrise. Zudem könnten in der aktuellen Katastrophensituation Ausbrüche von Krankheiten wie Masern, Diphtherie und Keuchhusten drohen, die durch Impfungen vermeidbar wären.
Die Rolle der Zivilbevölkerung
Die Ärzte und das Krankenhauspersonal arbeiten am Limit. Viele haben in den letzten Tagen nur wenige Stunden geschlafen und sich freiwillig gemeldet, um zu helfen. Der Arzt verweist auf eine Kollegin, die ein privates Labor betreibt und die Untersuchungen für das Krankenhaus kostenlos durchführt. „Das Land befindet sich seit zehn Jahren in einer Krise und wurde nun auch noch von einem Beben getroffen. Die Reaktion auf die Katastrophe kommt von der Zivilbevölkerung, von den Menschen, die sich ihrer Aufgabe verschrieben haben“, sagt er.
Das Erdbeben hat eine bereits bestehende gesundheitliche und strukturelle Krise weiter verschärft. Wer den Menschen in Venezuela helfen möchte, findet hier Informationen zu Hilfsorganisationen und Bankverbindungen.
Quellen: tagesschau