Unentdeckte Fälle und die Ausbreitung resistenter Erreger stellen Tuberkulose in Europa vor wachsende Herausforderungen. Eine erhebliche Finanzierungslücke verstärkt die Problematik, weshalb Studien von Millionen zusätzlicher Neuerkrankungen und Todesfällen ausgehen.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt jede fünfte Tuberkulose-Erkrankung in Europa unentdeckt oder wird nicht gemeldet. Im Jahr 2024 wurden knapp 162.000 Fälle registriert, während die tatsächliche Zahl bei etwa 204.000 Erkrankungen liegen dürfte.
Zusätzlich treten Rifampicin-resistente Tuberkulose-Bakterien in Europa in 23 Prozent der Fälle auf, was etwa siebenmal häufiger ist als der weltweite Durchschnitt von 3,2 Prozent. Rifampicin ist ein Standardmedikament zur Behandlung von Tuberkulose.
„Arzneimittel-resistente Stämme sind wesentlich schwieriger zu behandeln, erfordern längere und komplexere Therapien und sind für eine deutlich höhere Sterblichkeit verantwortlich,“
so die WHO.
Diese Situation ist besorgniserregend, da Menschen, bei denen die Diagnose erst spät gestellt wird, ein höheres Risiko haben, Tuberkulose auf andere zu übertragen und schwerer zu behandeln sind. Eine verstärkte Übertragung kann zu einer höheren Zahl von Patienten führen, bei denen die Behandlung nicht anschlägt, was wiederum ein Hauptgrund für die Entstehung von Resistenzen ist. Besonders bei Naharbeit bei wenig Licht ist Vorsicht geboten.
Aktuelle Fallzahlen in Deutschland
In Deutschland wurden laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) im vergangenen Jahr 4.070 neu diagnostizierte Tuberkulose-Fälle gemeldet. Unter den Betroffenen waren 237 Kinder unter 15 Jahren. Drei von vier Personen, bei denen in Deutschland Tuberkulose diagnostiziert wird, stammen aus anderen Ländern, wie im Bericht des RKI zum Welt-Tuberkulose-Tag hervorgehoben wird.
Weltweit ist Tuberkulose laut WHO die tödlichste Infektionskrankheit, gemessen an der Anzahl der jährlichen Todesfälle. Im Jahr 2024 erkrankten etwa 11 Millionen Menschen, und mehr als 1,2 Millionen starben, insbesondere in ressourcenschwachen Ländern. Besonders betroffen sind Länder wie Indien, Indonesien, China, Pakistan und die Philippinen.
Erwartete Zunahme der Todesfälle
Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) äußert die Befürchtung, dass die Zahl der Todesfälle in Zukunft steigen könnte. Im vergangenen Jahr fiel ein zentraler Geldgeber, die USA, weg, was dazu führt, dass viele Länder Labortests, Röntgenuntersuchungen und spezielle Therapien nur noch eingeschränkt finanzieren können. Laut WHO machten die US-Gelder die Hälfte der internationalen Finanzmittel in diesem Bereich aus. Studien prognostizieren, dass das Fehlen dieser Mittel in den kommenden fünf Jahren bis zu elf Millionen zusätzliche Neuerkrankungen und bis zu zwei Millionen zusätzliche Todesfälle zur Folge haben könnte.
„Tuberkulose wird oft als Krankheit der Vergangenheit wahrgenommen – das Gegenteil ist richtig,“
erklärte DAHW-Vorstand Patrick Georga.
„Wenn TB-Programme ausreichend finanziert werden, sinken die Infektionszahlen. Wenn Mittel fehlen, sterben Menschen. Es liegt am politischen Willen.“
Die Bekämpfung der Tuberkulose zeigt tendenziell Fortschritte: Laut WHO sind die Neuerkrankungen seit 2015 um 12 Prozent zurückgegangen, die Todesfälle um 29 Prozent. Angestrebt waren jedoch 50 Prozent weniger Neuerkrankungen und 75 Prozent weniger Todesfälle bis 2025.
Der Welt-Tuberkulose-Tag wird am 24. März begangen, um an die Entdeckung des Bakteriums durch den Mikrobiologen Robert Koch am 24. März 1882 zu erinnern.
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