In der Zeit um Christi Himmelfahrt wird in Deutschland häufig von einem markanten Temperaturabfall berichtet. Oft wird dieser Rückgang den sogenannten „Eisheiligen“ zugeschrieben. Doch stellt sich die Frage, ob es sich hierbei um ein tatsächliches Wetterphänomen handelt oder ob es sich lediglich um einen mittelalterlichen Aberglauben handelt.
Die Eisheiligen im Mai: Ein Blick auf die Realität
Bereits zum ersten Mai-Wochenende erlebte Deutschland in diesem Jahr sommerliche Temperaturen. Doch nur eine Woche später kam es zu einem unerwarteten Kälteeinbruch, der sogar Nachtfrost und in einigen Regionen Schnee mit sich brachte. Solche plötzlichen Kälterückfälle in der ersten Mai-Hälfte werden oft den „Eisheiligen“ zugeschrieben. Doch wie steht es um die wissenschaftliche Grundlage dieser Legende?
Ursprung der Eisheiligen
Der Begriff „Eisheilige“ bezieht sich auf fünf katholische Heilige: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, deren Namenstage zwischen dem 11. und 15. Mai liegen. Diverse Bauernregeln besagen, dass in diesem Zeitraum häufig späte Frostnächte auftreten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt jedoch fest, dass die Eisheiligen im Vergleich zu anderen Wetterphänomenen wie dem „Siebenschläfer“ oder dem „Weihnachtstauwetter“ keine signifikante Vorhersagekraft besitzen.
Obwohl Kälteeinbrüche und Nachtfrost im Frühling und bis in den Mai hinein nicht ungewöhnlich sind, treten sie zufällig auf. Ihre Wahrscheinlichkeit nimmt im Laufe des Monats ab. Der aktuelle Kälteeinbruch, der auf den 11. Mai fällt, ist demnach rein zufällig. Zudem ist zu beachten, dass die Eisheiligen nach der gregorianischen Kalenderreform von 1582 erst eine Woche später gefeiert werden sollten, da damals zehn Tage aus dem Kalender gestrichen wurden.
Wetterdaten und die Eisheiligen
Eine Analyse der Wetterdaten der letzten 50 Jahre zeigt, dass es keine signifikante Häufung von Kälteeinbrüchen zu den Namenstagen der Eisheiligen gibt. Der DWD hat die Daten ausgewertet und festgestellt, dass die Bauernregel nur in etwa einem Drittel der Fälle zutrifft, was für einen Wetterregelfall als unzureichend gilt. Zum Vergleich: Das Weihnachtstauwetter tritt in mehr als zwei Dritteln der Fälle ein.
Die Eisheiligen als Mythos
„Die Eisheiligen scheinen als meteorologische Singularität eher ein Mythos zu sein, der auf regionalen Sondererfahrungen aus dem Mittelalter fußt und keinesfalls Allgemeingültigkeit besitzt“, so das Fazit des DWD.
Dennoch haben die Eisheiligen als „mystischer Platzhalter“ eine gewisse Daseinsberechtigung, da sie die Menschen an die Gefahr von Spätfrösten im Mai erinnern. Diese Gefahr könnte durch den Klimawandel sogar zunehmen.
Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Für die Landwirtschaft sind späte Kälteeinbrüche von großer Bedeutung, da Frostschäden erhebliche Ernteeinbußen zur Folge haben können. Durch den Klimawandel beginnen Pflanzen früher zu blühen und zu wachsen, während das Risiko von Frostnächten bestehen bleibt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Eisheiligen zwar in der Volkskultur verankert sind, jedoch aus meteorologischer Sicht nicht als verlässliches Phänomen gelten können. Ihre Bedeutung liegt eher in der Erinnerung an die potenziellen Gefahren, die der Frühling mit sich bringt.
Quellen: n-tv, wetter
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