China hat mit großer Empörung auf die Seeblockade durch die Vereinigten Staaten reagiert. US-Präsident Donald Trump verkündete, dass die iranischen Seehäfen im Persischen Golf blockiert seien, was bedeutet, dass kein iranisches Schiff mehr den Iran verlassen oder anlanden kann. Dies betrifft insbesondere Tanker, die Öl nach China transportieren sollten. Infolgedessen ist China nun stärker in den Irankonflikt verwickelt als zuvor.
Bislang galt das Land als relativ resistent gegenüber der Energiekrise und den Auswirkungen des Irankriegs. Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt Chinas um fünf Prozent, was über den Erwartungen der Analysten lag. Einige Beobachter sehen in Peking den „lachenden Dritten“ und Profiteur des Konflikts. „Im Grunde genommen muss man leider feststellen, dass in China wahrscheinlich täglich die Sektkorken knallen, weil sie sehen, wie ihr größter Konkurrent in der weltwirtschaftlichen Ebene sich selbst zerlegt“, äußerte der Ökonom Markus Taube.
Chinas Position in der Energiekrise
China hat als Unterstützer Teherans weiterhin Erdöl aus dem Iran erhalten. Trotz der Sanktionen sei der Rohstoff über geheime Kanäle nach China geliefert worden, erklärt Doris Fischer, Professorin für China Business and Economics an der Universität Würzburg. Vor dem Krieg gingen etwa 90 Prozent der Öl-Exporte aus dem Iran nach China.
Selbst nach der Blockade der Straße von Hormus durch den Iran steuerten die Öltanker weiterhin China an. „China hat sich diesen Weg offensichtlich – soweit es geht – auch noch freigekauft, sprich: Garantien bekommen, dass seine Schiffe nicht angegriffen werden“, mutmaßt die Expertin. Das Erdöl aus dem Iran dürfte Peking zudem zu einem günstigen Preis erhalten haben, da es aufgrund der Sanktionen kaum andere Abnehmer gab und der Iran auf die Einnahmen aus dem Erdölverkauf angewiesen war.
Die Beziehungen zwischen China und Iran sind insgesamt eng, sowohl diplomatisch als auch seit 2021 durch eine „umfassende strategische Partnerschaft für Angelegenheiten von Wirtschaftssicherheit und technologischer Kooperation“.
Chinas Herausforderungen als Exportnation
Die hohen Energiekosten und die Inflationsspirale werden auch China nicht verschonen. Wenn die Wirtschaft seiner Handelspartner schwächelt, wird dies für das Land Verluste bedeuten. Die Binnennachfrage in China ist gering, was das Land stark von Exporten abhängig macht. „China geht da nicht unbeschadet raus. Wir werden alle leiden. Aber die Energienot ist eventuell unmittelbar geringer als für manche andere Länder“, sagt Fischer.
„Alle verlieren, das ist völlig klar“, ergänzt Langhammer. „Wenn die Nachbarn jetzt mit ihrem Wirtschaftswachstum zurückgehen und nicht mehr die Waren kaufen, die China gerne dort absetzen möchte, dann wird es auch für China problematisch.“
Der Einfluss eines schwachen US-Dollars
Es wird auch diskutiert, ob die Krise zu einer Stärkung der chinesischen Währung führen könnte. Der Iran akzeptiert angeblich Gebühren für die Durchfahrten durch die Straße von Hormus in chinesischer Währung, was den US-Dollar schwächen könnte. Rolf Langhammer, ein Wirtschaftsexperte, sieht jedoch eine Schwächung des US-Dollars nicht als Vorteil für Peking. „Wenn der Dollar wieder schwächer wird, dann verlieren auch die chinesischen Anleger an Wert“, erklärt er.
Geostrategische Interessen Chinas
In Bezug auf geostrategische Interessen ist die Lage Chinas gemischt. Einige Experten argumentieren, dass der Irankrieg die USA militärisch schwäche. Der chinesische Präsident Xi Jinping könnte dadurch seine Pläne zur Eroberung Taiwans einfacher umsetzen. „Umso länger die USA in diesem Morast stecken bleiben und das Problem nicht gelöst ist, umso besser ist es für China“, sagt der Ökonom Markus Taube.
Gleichzeitig führt der Irankrieg zu einer Destabilisierung des Nahen Ostens, was nicht im Interesse Pekings ist. China hat in der Region viel in sein Seidenstraßen-Projekt investiert.
Chinas Unterstützung für strategische Partner
Das unberechenbare Handeln von US-Präsident Trump könnte dazu führen, dass China als verlässlichere Alternative zu den USA wahrgenommen wird. Dennoch zeigt sich, dass strategische Partnerschaften mit China keinen Schutz vor den USA bieten. „Diese Länder mussten ja nun feststellen, dass China nichts gegenhalten konnte gegen das, was die USA gemacht haben, und auch nicht militärisch Beistand leistet“, sagt Fischer.
In der Krise springt China nicht im großen Stil anderen Staaten bei, sondern bunkert hauptsächlich Öl für sich selbst. Dies könnte dazu führen, dass China in der Shanghai-Gruppe und bei den BRICS-Staaten an Renommee verliert, da es in der Krise keinen Beistand für die betroffenen Länder leistet.
Militärisches Eingreifen Chinas im Irankrieg
Die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Eingreifens Chinas im Irankrieg wird von vielen Experten als gering eingeschätzt. „Die Chinesen sind da vorsichtig, zumal sie in der Golfregion ja auch nicht nur mit dem Iran zusammenarbeiten, sondern auch gute Partnerschaften mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten pflegen“, sagt Fischer.
Die Staatsführung in Peking strebt nach Berechenbarkeit im Nahen Osten und möchte keinen Flächenbrand oder eine länger blockierte Straße von Hormus, die negative Auswirkungen auf die eigene Konjunktur haben könnte. Die China-Expertin Antje Bonhage fasst die Interessen Chinas zusammen: „Die strategischen Folgen des Irankriegs sind für Peking belastend, da sind sich viele Experten einig. Nur ist China vielleicht ein wenig resilienter gegenüber dem Konflikt als andere Staaten und profitiert stärker von der Schwächung der USA.“
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Irankrieg auch für China Herausforderungen mit sich bringt, jedoch könnte das Land in der aktuellen Situation besser gewappnet sein als andere Nationen.
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