Die drohende Schließung des Chemiewerks in Leuna, Sachsen-Anhalt, konnte abgewendet werden. Das Werk Domo Caproleuna wurde an eine neu gegründete Auffanggesellschaft übergeben, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther bekanntgab.
Domo Caproleuna ist einer von drei deutschen Standorten des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals. In diesem Werk wird hauptsächlich Kunststoff produziert, der in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche Verwendung findet. Die neue Gesellschaft übernimmt sowohl den Standort als auch die Immobilie in Leuna und sichert damit 436 der zuletzt rund 500 Arbeitsplätze.
Hintergründe zur Situation in der Chemieindustrie
Die deutsche Chemiebranche sieht sich seit Jahren mit Herausforderungen konfrontiert. Hohe Energiekosten, US-Zölle, eine schwächelnde Konjunktur und Überkapazitäten auf dem Weltmarkt setzen der Industrie zu. Der Konflikt im Iran hat die Situation zusätzlich verschärft, da die energieintensive Chemiebranche besonders unter dem Anstieg der Öl- und Gaspreise leidet. Unternehmen wie BASF haben bereits Sparmaßnahmen und Stellenabbau angekündigt und teilweise Produktionsanlagen stillgelegt. Dies hat auch Auswirkungen auf das Chemiedreieck in Sachsen-Anhalt, wo sich eine Zulieferindustrie etabliert hat.
Rettung in letzter Minute
„Das war eine Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren“, erklärte Insolvenzverwalter Flöther, der den Geschäftsbetrieb seit Ende Dezember aufrechterhielt. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel hätte das Chemiewerk normalerweise im Januar stillgelegt werden müssen. Allerdings war dies aufgrund der winterlichen Temperaturen nicht möglich, da die Anlagen nicht ohne Umweltgefahren sicher heruntergefahren werden konnten. Aus Gründen der Gefahrenabwehr stellte das Land Sachsen-Anhalt einen Notbetrieb sicher.
Die Übernahme des Chemiewerks stellt somit einen wichtigen Schritt dar, um die Arbeitsplätze der Beschäftigten zu sichern und die Produktion am Standort Leuna fortzuführen.