Am Samstagmorgen kam es zu einem offenen Konflikt zwischen Israel sowie den USA und dem Iran. Diese Angriffe erhöhen das Risiko einer Störung der Straße von Hormus erheblich.
Für die globale Wirtschaft ist nicht nur der unmittelbare Schaden durch die Angriffe von Bedeutung, sondern auch die Frage, inwieweit das Mullah-Regime die strategisch wichtige Meerenge zwischen Oman und dem Iran unter Druck setzen könnte. Selbst eine teilweise Blockade könnte dem internationalen Handel erheblich schaden, warnen Fachleute.
Die Bedeutung der Straße von Hormus
Die etwa 55 Kilometer breite Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und zählt zu den bedeutendsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport. Monatlich durchqueren rund 3.000 Schiffe diese Meerenge. Die Fahrrinnen sind jeweils fast zwei Meilen breit und durch eine Pufferzone voneinander getrennt.
Täglich werden etwa 20 Millionen Barrel Öl auf rund 30 bis 40 großen Tankschiffen transportiert, was etwa einem Fünftel des globalen Bedarfs entspricht. Zudem spielt die Meerenge eine zentrale Rolle im Bereich Flüssigerdgas: Ungefähr ein Viertel des weltweiten LNG-Handels verläuft durch diese Passage, insbesondere Exporte aus Katar, die für die Versorgungssicherheit in Europa von Bedeutung sind.
Militärische Bedrohungen und mögliche Szenarien
Iranische Offiziere haben in der Vergangenheit wiederholt angedeutet, dass sie die Passage jederzeit blockieren könnten. Obwohl Teheran militärisch den US-Seestreitkräften unterlegen ist, könnte die iranische Marine mit ihren Korvetten, kleinen Schnellbooten, dieselbetriebenen U-Booten und einem Drohnen-Trägerschiff den Schiffsverkehr durch die enge Passage erheblich stören. Dies könnte durch den Einsatz von Minen, Drohnen oder gezielten Angriffen geschehen und den globalen Energiemarkt stark belasten.
Eine vollständige Sperrung der Straße von Hormus wird als unwahrscheinlich erachtet, da sie massive militärische Gegenreaktionen hervorrufen würde, möglicherweise auch von Staaten, die bislang nicht in den Konflikt im Nahen Osten involviert sind. Dennoch könnte bereits eine teilweise Blockade spürbare Auswirkungen auf Angebot, Preise und Marktprognosen haben.
Risiken und Marktreaktionen
In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus, was eine teilweise Sperrung als realistisches Szenario erscheinen lässt. Benjamin Jensen, Nahost-Experte vom Center for Strategic and International Studies (CSIS), äußerte in einer Analyse, die vor der aktuellen Eskalation veröffentlicht wurde, dass Teheran durchaus in der Lage sein könnte, die Meerenge zu blockieren.
Der Einsatz von Einweg-Angriffsdrohnen und das Verlegen von Minen könnten dem Iran ermöglichen, die Eskalation zu steuern, ohne sich in einen umfassenden Krieg zu verwickeln. Solche Maßnahmen könnten den Schiffsverkehr verlangsamen und Reedereien abschrecken, ohne dass es zu einer formellen Blockade kommt.
Bereits die Androhung von Störungen kann eine Risikoprämie auf den Ölpreis auslösen. Händler berücksichtigen mögliche Ausfälle, Staaten prüfen ihre strategischen Reserven, und Unternehmen sichern sich Lieferungen. Infolgedessen steigt der Preis vorsorglich, um potenzielle Engpässe vorwegzunehmen. Steigende Energiepreise stellen zudem eine zusätzliche Belastung für Industrie und Verbraucher dar.
Folgen für den Energiemarkt und die Wirtschaft
Wenn der Iran glaubhaft drohen sollte, Tanker in der Straße von Hormus anzugreifen, könnten Versicherungen schnell keine Durchfahrten mehr in der Region zulassen, erklärte Steffen Bukold, Geschäftsführer der Hamburger Beratungsfirma Energycomment. Es hängt also entscheidend von Teheran ab, ob es nur zu einem kurzfristigen Preisanstieg kommt oder ob eine längerfristige Störung der Weltmärkte zu erwarten ist.
Von einer möglichen Blockade der Meerenge könnten insbesondere US-amerikanische Energiekonzerne profitieren, da die USA der größte Erdölproduzent und LNG-Exporteur weltweit sind. Sollten LNG-Exporte aus Katar wegfallen, wäre Europa noch stärker auf Flüssigerdgas aus den USA angewiesen, so Bukold. Derzeit wird Europa bereits zu etwa 60 Prozent mit US-LNG versorgt.
Auswirkungen auf die internationale Handelsschifffahrt
Die internationale Handelsschifffahrt befürchtet bereits jetzt spürbare Auswirkungen. Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), äußerte, dass die aktuelle Eskalation das Herz globaler Seehandelsrouten trifft und die Reedereien sowie ihre Besatzungen dies unmittelbar spüren.
Kröger betonte, dass die Schiffe für offene Märkte und stabile Lieferketten stehen und nicht in militärische Konflikte hineingezogen werden dürfen. Nach Angaben des Verbands befürchten die rund 300 in Deutschland ansässigen Reeder eine weitere Eskalation des Konflikts, die erhebliche Risiken für die Handelsschifffahrt in der gesamten Region mit sich bringen könnte.
Wirtschaftliche Unsicherheiten und Inflation
Ein anhaltender Anstieg der Preise für Öl und Gas könnte die Inflation in vielen Industrieländern erneut anheizen. Höhere Energiepreise verteuern die Produktion, den Transport und zahlreiche Vorprodukte. Zentralbanken könnten gezwungen sein, geplante Zinssenkungen zu verschieben oder vorsichtiger zu agieren, was Investitionen bremsen und die wirtschaftliche Entwicklung belasten würde.
Für energieintensive Branchen wie die Chemie-, Stahl- oder Grundstoffindustrie wären steigende Preise besonders problematisch. Auch Haushalte mit geringem Einkommen wären von einem Anstieg der Energiepreise überproportional betroffen.
Ob es bei einem kurzfristigen Preisschock bleibt oder eine längere Phase wirtschaftlicher Unsicherheit folgt, hängt letztlich von der Dauer und Intensität der Eskalation ab. Solange die Straße von Hormus offen bleibt, könnte die Weltwirtschaft einen Krieg im Nahen Osten verkraften. Sollte sie jedoch als strategisches Druckmittel eingesetzt werden, könnten die Auswirkungen weit über die Region hinausreichen. Zudem wurden bei einem Raketenangriff im Iran 85 Schülerinnen getötet. Fachleute warnen zudem, dass die Ölpreise durch die Situation unter Druck geraten könnten.
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Bildquelle: مانفی via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
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