Am 1. Juli 2026 war die Situation in der russischen Landwirtschaft alarmierend. Die Getreideernte kommt nur schleppend voran, während die Regierung die Lage als stabil darstellt. Verschiedene Faktoren tragen zu den Schwierigkeiten bei, darunter ungünstige Wetterbedingungen, ukrainische Angriffe auf Raffinerien und ein akuter Mangel an Treibstoff. Erste Warnungen vor Engpässen bei Lebensmitteln werden laut.
Getreideernte hinter den Erwartungen
Gemäß den Angaben des Instituts für Agrarmarktstudien und der Analysefirma Rusagrotrans wurden bis zum 1. Juli lediglich 1,3 bis 1,5 Millionen Hektar bearbeitet, was lediglich etwa 3 Prozent der ursprünglich geplanten Fläche entspricht. Dies stellt einen Rückgang von rund einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr dar und zeigt, dass die Ernte ein bis zwei Wochen hinter dem gewohnten Zeitplan zurückbleibt.
Witterungsbedingungen und Diesel-Mangel als Ursachen
Die Verzögerungen sind nicht ausschließlich auf den Mangel an Diesel zurückzuführen. Laut Dmitry Rylko, dem Leiter von IKAR, hat das Wetter eine entscheidende Rolle gespielt. Zunächst gab es ungewöhnliche Kälte, gefolgt von heftigen Regenfällen in den entscheidenden Anbaugebieten. Der Diesel-Mangel verstärkt jedoch die Problematik.
Kraftstoffmangel und seine Auswirkungen
Die Situation wird durch die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien verschärft, die seit Monaten die Kapazitäten beeinträchtigen. Über 50 der 83 russischen Regionen haben mittlerweile Beschränkungen beim Verkauf von Kraftstoff eingeführt, in mindestens 22 bis 26 Regionen gibt es staatliche Rationierungen. Ein Bewohner aus Irkutsk berichtete, dass er bis zu 12,5 Stunden anstanden musste, um 15 Liter Benzin zu erhalten. In Belgorod bildeten sich Schlangen von über 30 Fahrzeugen vor den Tankstellen.
Lebensmittelversorgung in Gefahr
Die Auswirkungen des Treibstoffmangels sind nicht nur auf Privatfahrer und landwirtschaftliche Betriebe beschränkt. Laut dem Marktforschungsunternehmen INFOLine zeigen sich in einigen Regionen bereits erste Anzeichen von Engpässen bei verderblichen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Eiern. Hersteller warnen die Handelsketten vor Lieferverzögerungen, da Lkw-Fahrer aufgrund des Dieselmangels nicht wie gewohnt fahren können. Heizöl: Preise fallen um bis zu 14 Euro
Politische Reaktionen und öffentliche Kritik
In der Politik wird die Lage zunehmend kritisch betrachtet. Die kommunistische Abgeordnete Nina Ostanina kritisierte am Donnerstag die Regierung, weil sie das wahre Ausmaß der Treibstoffkrise verschleiere. Ihrer Auffassung nach ist fast ein Drittel der Raffineriekapazität ausgefallen, was nicht ausreichend kommuniziert wird. Sie warnte, dass Russland am Ende ohne Brot dastehen könnte, was aufgrund internationaler Sanktionen katastrophale Folgen haben würde.
Präsident Putins Einschätzung der Krise
Präsident Wladimir Putin musste in einem Interview eingestehen, dass die ukrainischen Angriffe „natürlich Probleme schaffen“ und es „einen gewissen Mangel“ gebe. Er betonte jedoch, dass die Lage insgesamt „nicht kritisch“ sei. Besonders kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe sind betroffen, während große Agrarholdings über eigene Reserven verfügen.
Regionale Unterschiede in der Ernteprognose
Die Konsequenzen der aktuellen Herausforderungen für die Ernte sind noch nicht klar, da sie regional sehr unterschiedlich ausfallen. Während die Analysefirma SovEcon ihre Prognose für Getreide und Hülsenfrüchte leicht auf 135,2 Millionen Tonnen gesenkt hat, berichten einige der bedeutendsten Weizenregionen wie Rostow und Krasnodar von verbesserten Erträgen im Vergleich zum Vorjahr.
Die russische Regierung hat inzwischen Exportverbote für Benzin erlassen und denkt darüber nach, ähnliche Maßnahmen für Diesel zu ergreifen. Zudem wird diskutiert, ob minderwertiger Kraftstoff nach schwächeren Euro-Normen wieder zugelassen werden soll, was jedoch Risiken für moderne Fahrzeuge mit sich bringen könnte.
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Quellen: n-tv