Chronologischer Überblick über den Ausbau von Rechenzentren in Deutschland
Am 12. März 2026 fand der Spatenstich für neue Rechenzentren des US-amerikanischen Unternehmens Microsoft in Nordrhein-Westfalen statt. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger erklärte dabei: „Heute setzen wir den Grundstein für eine neue Quelle der Kraft, nämlich für Rechenpower.“ Sechs Tage später wurde die nationale Rechenzentrumsstrategie veröffentlicht, die das Ziel verfolgt, die Kapazitäten der Rechenzentren in Deutschland bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln.
Auslöser für den Ausbau
Rechenzentren sind essenziell für die Speicherung von Daten in der Cloud und das Training von Künstlicher Intelligenz (KI). Sie sind an nahezu jedem digitalen Prozess beteiligt, sei es beim Versenden von E-Mails oder beim Zugriff auf Online-Dienste. Trotz ihrer Bedeutung gibt es bislang keinen umfassenden Überblick über die Standorte und Kapazitäten der geplanten Rechenzentren in Deutschland.
Eine Untersuchung des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der Süddeutschen Zeitung (SZ) hat nun erstmals detaillierte Informationen über die Entwicklung neuer Rechenzentren in Deutschland bereitgestellt. Diese Analyse basiert auf einem Datensatz von NGOs, der von den beiden Medien überprüft und ergänzt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass in Deutschland insgesamt 99 Rechenzentren in Planung sind, von denen 41 bereits im Bau sind. Über ein Drittel dieser Projekte wird von Unternehmen initiiert, die nicht aus der Europäischen Union stammen, wobei US-Tech-Konzerne die größte Gruppe bilden. Zudem ist ein Viertel der geplanten Projekte in wasserarmen Regionen angesiedelt.
Dimensionen des Rechenzentrums-Booms
Die Recherche verdeutlicht, dass viele der neuen Rechenzentren in Deutschland eine enorme Größe erreichen. Während bisher Rechenzentren mit einer Netzanschlussleistung von 5 bis 10 Megawatt als groß galten, bewegen sich die neuen Projekte oft im Bereich von 200 bis 500 Megawatt, teilweise sogar über ein Gigawatt. Diese Entwicklung wird durch den steigenden Bedarf an Rechenleistung für KI vorangetrieben.
Von den künftigen Rechenzentren in Deutschland werden 36 von Unternehmen betrieben, die nicht aus der EU stammen, wobei zwei Drittel dieser Firmen aus den USA kommen. Besonders auffällig ist, dass unter den Projekten mit einer Leistung von mehr als 100 Megawatt allein 14 von US-amerikanischen Firmen geplant sind. Dies wirft Fragen zur angestrebten digitalen Unabhängigkeit Deutschlands auf.
Experten warnen vor Abhängigkeit
Ralph Hintemann, ein Experte am Borderstep Institut, der die Bundesregierung bei der nationalen Rechenzentrumsstrategie beraten hat, betont, dass Deutschland sich nicht von großen internationalen Konzernen, insbesondere aus den USA, abhängig machen sollte. Er hebt hervor, dass es vorteilhafter wäre, wenn europäische und deutsche Unternehmen in diesem Bereich wettbewerbsfähig wären.
Zu den Unternehmen, die derzeit in Deutschland Rechenzentren errichten, zählen neben Microsoft auch Amazon und Google sowie weniger bekannte Firmen wie EdgeConnex. Die Projekte konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen, die Region um Berlin und die Umgebung von Frankfurt, wo sich der bedeutendste Internetknoten DE-CIX befindet.
Rechenzentren im ländlichen Raum
Auch im ländlichen Raum, wo die Gewerbeflächen kostengünstig sind, entstehen neue Rechenzentren. Ein Beispiel ist die Gemeinde Schuby in Schleswig-Holstein, die mit etwa 2.400 Einwohnern zwischen Kiel und Flensburg liegt. Bürgermeisterin Petra Schulze beschreibt die Situation als „Goldgräberstimmung“. In den letzten zwei Jahren hat sie zahlreiche Interessenten durch die Gemeinde geführt, da hier ein großer Netzanschluss mit Umspannwerk vorhanden ist. Schulze ist sich jedoch unsicher, was das Beste für ihre Gemeinde ist und sucht nach Informationen und Erfahrungen, um mit den multinationalen Konzernen auf Augenhöhe verhandeln zu können.
Wasserknappheit als Herausforderung
Eine Analyse von NDR und SZ zeigt, dass rund ein Viertel der geplanten Rechenzentren in Regionen angesiedelt sind, die unter Wasserknappheit leiden. Marina Köhn vom Umweltbundesamt (UBA) warnt, dass auch Gemeinden, die derzeit keinen Wasserstress haben, die Wasserkonzepte der Rechenzentren genau beobachten sollten. Sie betont, dass Rechenzentren oft für mindestens zehn Jahre oder länger in Betrieb sind und daher langfristige Überlegungen angestellt werden müssen.
In den USA gibt es bereits große Rechenzentren, die Kühltechniken verwenden, die enorme Mengen Wasser verbrauchen. Diese Technik, bei der heiße Luft der Server durch das Versprühen von Wasser gekühlt wird, ist kostengünstig, hat jedoch den Nachteil, dass das verwendete Wasser verloren geht. Alternativen wie die Verwendung natürlicher Kältemittel oder geschlossene Kühlkreisläufe könnten helfen, Wasser zu sparen und die Abwärme der Rechenzentren sinnvoll zu nutzen.
Fehlende Transparenz bei Kühltechniken
Die meisten Kommunen geben keine Auskunft darüber, welche Kühltechniken bei den neuen Rechenzentren eingesetzt werden. Nur sieben Gemeinden haben nachhaltige Kühlung im geschlossenen Kreislauf in Aussicht gestellt. Auch Konzepte für Hitzewellen sind in den meisten Fällen nicht vorhanden. Das Digitalministerium hat auf Nachfrage bestätigt, dass die Verfügbarkeit von Wasser bei der Entscheidung für oder gegen ein Rechenzentrum zunehmend an Bedeutung gewinnt und dass an einem entsprechenden Nachhaltigkeitslabel auf EU-Ebene gearbeitet wird.
Trotz wirtschaftlicher Stagnation: Wo neue Arbeitsplätze entstehen
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Quellen: tagesschau
Bildquelle: Brett Sayles auf Pexels
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.