Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der begonnenen dualen Ausbildungen erneut gesunken. Fachleute plädieren dafür, das System weiterzuentwickeln und einen individuellen Rechtsanspruch auf eine Ausbildung zu schaffen.
Im Jahr 2025 haben weniger junge Menschen eine duale Berufsausbildung begonnen. Dies geht aus den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Im Vergleich zu 2024 verringerte sich die Zahl der neuen Verträge um 2,8 Prozent auf 461.800, was einem Rückgang von 13.300 neuen Ausbildungsverträgen entspricht.
Nachdem in den Jahren 2021 bis 2023 noch leichte Zuwächse bei den Ausbildungsstarts verzeichnet wurden, setzt sich nun der im Jahr 2024 begonnene Abwärtstrend fort.
Der Fachkräftemangel, insbesondere im Gesundheitswesen, bleibt ein zentrales Thema. Gesucht werden unter anderem Physiotherapeuten.
Experten äußern Besorgnis über den Rückgang
Die duale Berufsausbildung, die Theorie in der Berufsschule mit praktischen Erfahrungen im Betrieb kombiniert, gilt in Deutschland als einzigartig und erfolgreich. Arbeitsmarktexperten zeigen sich alarmiert über die Entwicklungen.
„Der Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System ist besorgniserregend“, erklärt Bettina Kohlrausch, Direktorin des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Sie betont, dass das System insbesondere Menschen ohne Hochschulreife gute Einstiegsmöglichkeiten in stabile und erfolgreiche Erwerbsbiografien bietet.
Von einem Mangel an Ausbildungsplätzen kann laut Nico Schönfeldt, Ausbildungsexperte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), jedoch keine Rede sein. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet mehr unbesetzte Stellen als unvermittelte Bewerber.
Im Jahr 2025 haben rund 64.300 Personen eine Ausbildung zur Pflegefachkraft begonnen, was einem Anstieg von acht Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht.
Vorschläge zur Weiterentwicklung des dualen Systems
Um die zukünftige Sicherung von Fachkräften zu gewährleisten, ist es entscheidend, junge Menschen gezielt mit den Betrieben zu verbinden.
„Eine systematische, praxisnahe Berufsorientierung sowie frühzeitige Praktika können dazu beitragen, mehr junge Menschen für die duale Ausbildung zu gewinnen“, so Schönfeldt.
WSI-Expertin Kohlrausch fordert hingegen eine Reform des Systems:
„Es braucht dringend eine Weiterentwicklung der Ausbildungsgarantie, die jedem Jugendlichen einen individuellen Rechtsanspruch auf Ausbildung ermöglicht.“
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